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Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer. © John Hammond

 

 

„Phantastische Bilder“

 

Jo & Hans Niklaus

 

 

Stadttheater Fürth

Königstraße 116, 90762 Fürth

 

22.01. – 14.03.2017

 

 

 Vernissage: 22.01.2017

Artworks

Jo Niklaus & Hans Niklaus (1934 - 2013)

Press

© Fürther Nachrichten, 27.01.2017, SABINE REMPE

 

Wildheit unter der Oberfläche

Phantastischer Realismus à la Jo und Hans Niklaus: Umfassende Werkschau im Stadttheater Fürth  

 

FÜRTH - Das Stadttheater zeigt bis Mitte März Arbeiten von Jo und Hans Niklaus. Mit dem Titel „Phantastische Bilder“ verspricht die erste Ausstellung von John Hammonds Art-Agency im neuen Jahr nicht zu viel.

Unendliche Akkuratesse: Jo Niklaus sucht ihre Motive mit Vorliebe in der Kunstgeschichte. Vertraute Figuren begegnen dem Betrachter in verblüffend neuen Situationen. © Foto: Giulia Iannicelli

 

Marilyn Monroe schön wie je hinter zerbrochenem Glas. Ein verschmitzter Rabe, der mehr zu wissen scheint, als sein Schöpfer preisgibt. Und plötzlich taucht wieder einmal die alte Frage auf, ob wir die Welt wirklich so sehen, wie sie ist. Oder uns vielleicht doch von einer real anmutenden Oberfläche beruhigende Normalität vorgaukeln lassen, während knapp dahinter die wildesten Phantasien wahr werden.

 

Eine wunderbare Idee, der das Künstlerpaar Jo und Hans Niklaus – jeder auf seine ganz persönliche Weise – mit faszinierender Selbstverständlichkeit nachspüren. Sie öffnen die Sicht in ein schillerndes Wunderland, in dem vertraute Details im ersten Moment eine gewisse Sicherheit vorgaukeln. Doch der feste Boden der vorgefassten Erkenntnisse trägt nicht lange. Über kurz oder lang ist nichts mehr so, wie es schon immer zu sein schien, und die Einsicht dämmert, dass wir auf ganz neue Wege geführt werden, die nur eine Gewissheit bieten: Beständig ist einzig und allein der Zweifel.

 

Jo und Hans Niklaus, der 2013 starb, waren 47 Jahre miteinander verheiratet. Im Stadttheater ist nun in Zusammenarbeit mit der Art-Agency Hammond eine umfangreiche Werk-Schau der beiden zusammengetragen worden, die alleine schon in dieser Fülle etwas Besonderes ist. Nicht nur, dass gemeinsame Ausstellungen in der Biografie der zwei eher die Ausnahme darstellen. Die breit aufgestellte Auswahl kann jetzt tatsächlich als Retrospektive verstanden werden.

 

Im Werk von Hans Niklaus, der 1934 in Halle an der Saale geboren wurde, gibt es Konstanten, die festen Ankern gleich, immer wieder erscheinen. Muscheln und Schnecken sind so ein wichtiges Thema. Stets sind sie mit einer Detailliebe dargestellt, als gelte es, eine wissenschaftliche Aufgabe mit Höchstnote zu bewältigen. Zugleich führen die Verästelungen und Röhrengänge unvermutet ins Ungewisse, entpuppen sich als surreale Pforten zu befremdlichen Orten.

 

Phantastischer Realismus wurde dieser Stil nach dem Zweiten Weltkrieg getauft. Ein Name, der  den Widerspruch in sich trägt und eben deshalb richtig ist.

 

Jo Niklaus, die 1941 im schlesischen Münsterberg zur Welt kam und in Nürnberg lebt, trifft auf ihre Motive mit Vorliebe in der Kunstgeschichte. Mit unendlicher Akkuratesse und handwerklicher Meisterschaft lädt sie vertraute Gesichter und Figuren in unsere Zeit ein, nimmt ihnen den Nimbus des gewichtigen Kunstereignisses und steckt sie stattdessen in alltägliche Situationen. Das ist verblüffend und befreiend zugleich.

 

Im Handstreich schüttelt Jo Niklaus die gewohnte museale Ehrfurcht ab und schenkt dem Betrachter die Chance, ganz neue Bekanntschaften zu schließen.

Invitation

 

Jo Niklaus

geb. 1941 in Münsterberg / Schlesien

Durch das Kopieren in genauem Arbeiten geschult. Über Stillleben, Porträt- und Trompe-l`oeil-Malerei zum Phantastischen Realismus gefunden. Briefmarkenbilder und Neuinterpretationen von Dürer-Bildern z.T. in Feinmalerei, gehören ebenfalls zum Œuvre.

 

Hans Niklaus

geb. 23.08. 1934 in Halle/Saale, gest. 2013 in

Nürnberg

In der Malerei immer bestrebt ein hohes Maß an dreidimensionalem Eindruck zu erreichen und von

Modeeinflüssen frei zu bleiben. Surreale Bilder, später Annäherung an Trompe-l'oeil und dem phantastischen Realismus. Schnecken und Muscheln aus seiner umfangreichen, wissenschaftlich aufgebauten Sammlung werden oft zum Bildinhalt.