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„Pastellkreidezeichnungen“, Werner Tögel, Klinikum Fürth, 12.11.1993 – 12.01.1994

Fürther Nachrichten, 1993, reX

 

Kreativer Vorstoß

Das Fürther Klinikum als Ausstellungsort – Auftakt mit Werner Tögels Arbeiten

Der Künstler erläutert dem Publikum der Vernissage seine Arbeiten. Foto Kögler

K.I.K. heißt das neue Konzept: Kunst im Klinikum. Bis zum 12. Januar nächsten Jahres läuft die erste Ausstellung in dieser Reihe.

 

Durch wirre Zweige gelangt man in die Bilderwelt des Werner Tögel, Falkenstein, hinter seltsamen, dichten, fast unnatürlich gewachsenen Bäumen ist eines seiner Themen. Dies läßt sich in die Landschaften einordnen, welche von einer romantischen, verschneiten Winterlandschaft über die Pegnitz bei Nacht mit stimmungsvollen Wasserspiegelungen bis hin zu einem Rapsfeld, das alles, nur nicht gelb ist, hinreicht.

 

Falkenstein III ist dann weniger romantisch. Auch der Traktor ist mit drauf und auf die Verkehrsschilder wird Wert gelegt. Fast ein bißchen Comicstil, was noch mehr herauskommt bei dem VW-Bus unter Gewitterhimmel, in den gerade Josef-Anton einsteigt. Andere Landschaftsbilder sind dann wiederum freier. Bei Holunder und Apfelbaum ist auf Collagen aus Plakaten mit grobem Raster gearbeitet.

 

Das weiche, leichte, pastellfarbene Bild „Blues braucht Weißblech“ mit einem Blumenstrauß und einer Mundharmonika könnte der Übergang zu den Musikerbildern sein. Das blasse, fein gezeichnete „Howlin’ Wolf and Muddy Waters“ aus dem Ende der 80er Jahre führt hin zu freieren, gröberen und kräftiger gezeichneten weiteren vier Jazzgrößen. Leicht verschwommen sieht man sie meist in der Einsamkeit ihrer Hotelzimmer.

 

Die neueren Arbeiten sind großteils dicke Decollagen, die überarbeitet wurden. Sowohl Technik als auch Motivauswahl erinnern an Pop-Art genauso wie an Fluxus-Künstler. Die US-Flagge ist ebenso zu finden wie die angedeutete Warhol’sche Suppendose, die dem Gitarristen bei „Flag“ von seinem Instrument baumelt. Auch in „Corse“ taucht wieder ein comicmäßiger Lkw auf.

 

Auf die Collagen und Decollagen kommt schon mal Silber- oder Goldpapier als Glanzlicht, oder ein altes Haus wird durch einen vergilbten Brief zusammengehalten. Thematisch driftet die Ausstellung, die die letzten fünf Jahre von Werner Tögel zeigt extrem auseinander und wird einzig und allein durch die immer gleich bleibende Technik mit den Ölpastellwachsmalkreiden zusammengehalten.