ARCHIVE 1993

Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer.

 

 

 

Ranil Ranasinghe
Druckgraphik und Textilobjekte

 

Stadttheater Fürth
Fürth (Bavaria)

 

24.10. - 12.11.1993

Press Archive

Fürther Nachrichten, 1993, VOLKER DITTMAR

 

Liebe zum Dekor

Grafik und Textiles von Ranil Ranasinghe im Foyer des Stadttheaters

„Kommunikation“ hat der Künstler (links) das Textilobjekt genannt, vor dem er sich hier bei der Vernissage mit Ausstellungsbesuchern unterhält. Foto: Kögler

 

Kraftvolle Farben und verspielte Formen habe im Fürther Theaterfoyer philosophische Betrachtungen verdrängt. An bunter Vielfalt lassen die bis 12. November ausgestellten Arbeiten von Ranil Ranasinghe nichts zu wünschen übrig.

 

Der aus Colombo in Sri Lanka stammende Künstler erzählt dem Betrachter mit seinen Druckgrafiken und Textilobjekten Geschichten aus 1001 Nacht. Die Prosa ist das Element, aus dem der 45jährige seine Bildsprache ernährt. Ranil Ranasinghe, der in Nürnberg eine eigene Druckwerkstatt betreibt, läßt dies vor allem in den Grafiken erkennen, die allerdings längst nicht so bedeutsam sind wie seine Textilarbeiten.

 

Mitunter werden Schriftzüge sogar pur als gestalterisches Mittel eingesetzt. Ein „orientalischer Brief“ regt in reizvollen Variationen die Phantasie an. Der 1984 mit dem Debütantenpreis ausgezeichnete, ehemalige Assistent von Stephan Eusemann und zeitweilige Lehrbeauftragte für Gewebegestaltung an der Nürnberger Kunstakademie will nichts verschlüsseln, sondern teilt sich leidenschaftlich expressiv mit.

 

Nicht immer geschieht dies auf so direkte Art wie mit der Brief-Grafik oder einem „Kommunikation“ betitelten Textilobjekt, mit dem Ranil Ranasinghe gewissermaßen eine Partitur des Gedankenaustausches entwirft (eine Leihgabe der Bundesanstalt für Arbeit). Häufig verliert sich der Künstler im dekorativen Detail. Da werden Ornamente in allen Spielarten verarbeitet. In die Tiefe zielt das freilich nicht.

 

Im textilen Bereich macht Ranasinghe dichte Strukturen transparent, indem er immer wieder das Flechtwerk aufbricht. Spannend ist eine 93er-Arbeit aus Holz: In die flambierte Holzmaserung sind geflochtene Wollfäden eingearbeitet, das Ganze mit einem massiven Metallrahmen versehen. Hier weicht das verspielte Element einer geradezu gewalttätigen Kreativität, die starken Eindruck hinterläßt. Hier eröffnen sich dem Künstler noch ungeahnte Möglichkeiten.

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