ARCHIVE 1993

Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer.

 

 

 

„Pastellkreidezeichnungen“

Werner Tögel

Stadttheater Fürth

Fürth, Bavaria

10.01. - 18.02.1993

Press Archive

Fürther Nachrichten, 1993, VOLKER DITTMAR

 

Markante Charakterstudien

Neue Ausstellungen zum Jahresbeginn – Raumbilder und Totenkult – Morbider Charme und technische Brillanz

Der Nürnberger Werner Tögel fängt mit seinen Pastellen im Theaterfoyer meisterhaft Stimmung – auch im direkt musikalischen Sinne – ein. Foto Meyer

 

Trotz Schwindsucht bietet die Fürther Galerieszene ihrem Publikum derzeit ein durchaus anregendes Kontrastprogramm. Neben der auslaufenden Hopper-Ausstellung im City Center haben sich andernorts sehenswerte Einzelausstellungen Nürnberger Künstler etabliert: Kreativspiele mit Zeit und Raum.

 

Ein breites Spektrum seines zeichnerischen Schaffens kann der 42jährige Werner Tögel im Foyer des Stadttheaters präsentieren. Es reicht von ausdrucksstarken Naturimpressionen, aus denen die Sehnsucht nach einer heilen Welt ohne Zivilisationskrankheiten spricht, über dörfliche Studien ohne sentimentalen Anstrich, bis hin zu einer intimen Hommage an die amerikanische Blues- und Jazztradition. Was den Künstler in allen Bereichen besonders interessiert, ist nicht der schöne Schein, sondern das wahre Gesicht, die Kehrseite, Seine Musiker porträtiert er nicht im Rampenlicht, sondern im tristen Hinterzimmer. Der Blues wird da zum visuellen Erlebnis. Er spricht auch aus einer Serie von Wracks, die selbst im Untergang noch eine ästhetische Ausstrahlungskraft entwickeln. Werner Tögel eine Mundharmonika zu einem Stillleben mit Blumen platziert. Eine sehnsüchtige Harmonie wird mit graphischen Mitteln ausgedrückt – etwa in der imponierenden Kulisse abgetakelter Windjammer in Wasserspiegelungen, in der Morgenröte auf freiem Feld.

 

Wege zur Aussöhnung

Werner Tögel, Protegé der untergegangenen Galerie am Theater und Funktionär in deren Nachfolgeorganisation „Spielraum für Kunst“, ist in Fürth längst kein Unbekannter mehr. Bereits seit über einem Jahrzehnt mischt er im Ausstellungsgeschehen mit. In seiner neuen Einzelausstellung zeigt er dem Betrachter Wege zur Aussöhnung mit einer dem Verfall preisgegebenen Umgebung auf.

Invitation Archive