ARCHIVE 2000

Das Klinikum der Stadt Fürth wurde im Jahre 1931 als Städtisches Krankenhaus eröffnet.

 

 

„Blickpunkt Türkei“

Nihat Celik & Bünyad Dinc

Klinikum Fürth

Fürth, Bavaria

25.02. - 25.05.2000

Artworks

Nihat Celik & Bünyad Dinc

Press Archive

Fürther Nachrichten, 11.04.2000, MATTHIAS BOLL

 

Das kleine Schaf sagt „Mäh“

Offensives Spiel mit Verfremdung und Verwirrung: Malerei und Druckgrafik von Nihat Celik im Klinikum

Nihat Celik – hier bei der Vernissage im Klinikum vor wenigen Wochen – verweigert dem Betrachter mit Vorliebe den perspektivischen Halt. Foto: Hans-Joachim Winckler

 

Warum der markante rote Keil, der sich in einer gelben Fassung zu verbeißen scheint, den Titel „Zarathustra“ trägt, wird allein Nihat Celiks Geheimnis bleiben. Als Ironiker und Fährtenleger darf den türkischen Künstler endgültig bezeichnen, wer im dritten Stock des Klinikum-Hauptgebäudes vor dem Pastell-auf-Bütten-Werk „Hund“ stehen bleibt. Da bilden streng geometrisch angeordnete blaue, weiße und gelbe Bögen eine Rampe, die sich im blauen Nichts verlieren.

 

Celiks offensives Spiel mit Farbflächen und Stilisierungen, mit strenger Verfremdung und optischen Verwirrungen ist zu sehen im Rahmen der Ausstellung „Blickpunkt Türkei“. Der Künstler stammt aus Elcili, kam vor 20 Jahren nach Deutschland und ist seit 1997 freischaffend nachdem er an der Akademie der Bildenden Künste – zuletzt bei Johannes Grützke – studiert hat. Mit Farben geht er plakativ zu Werke. Sie begleiten Celiks unerschöpfliche Form-Findungen in der Manier eines Lautstärkereglers, den er scheinbar nach Belieben in kreischende Regionen hochfährt. Kühne, nervöse Farbfelder sind so entstanden, die wie tektonische Platten aneinanderreihen.

 

Stärker noch als in seinen flächigen Pastell-Arbeiten erstaunen seine Druckgrafiken mit apokalyptischen Traumgebilden. „Das kleine Schaf guckte mich an und sagte: „Mäh“ ist zwar ein allerliebst klingender Titel; doch Celik zeigt ein abstrus geformtes, nacktes Schnabeltier auf dem Rücken eines langmähnigen Wesens. Augen, Blicke, Augen-Blicke, organische, der Botanik entlehnte formen und Kompositionen, die wie Vexierbilder dem Betrachter jeden perspektivischen Halt verweigern, stehen im Zentrum dieser Werke. Kühle Kunst, mit souveräner, individueller Handschrift gestaltet.

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