ARCHIVE 1995

Gallery ZAK (1995 – 2002), Königstr. 132, Fürth, Bavaria

 

 

Kunst aus Kenya“

 

Galerie ZAK

 

Fürth, Bavaria

 

17.11.1995 – 22.02.1996

Fürther Nachrichten, 24.11.1995, ULRIKE KÖRNER

 

Ein eigener Mikrokosmos

Kunst aus Kenia in der ZAK-Galerie – Aus der Tradition einer untergehenden Kultur geschöpft

 

Lange war Afrika auf der Weltkarte der Kunst nicht zu finden. Zwar bewunderte man die ausdrucksstarke, afrikanische Volkskunst – war sie doch auch Inspirationsquelle so mancher europäischen Kunstgattung - , doch blieb das ein Kapitel der Geschichte weit ab vom Zeitgeist der Kunst des 20. Jahrhunderts.

„Wooing girl“ ist der Titel dieses großformatigen Ölgemäldes von Zachariah Mbutha, das in seiner leuchtenden Farbigkeit expressiv anspricht. Foto: Schreiber

Bernd Klein-Gunk, Sammler afrikanischer Gegenwartskunst und Inhaber der Fürther Galerie „Zak“, spricht nun von einer Renaissance der afrikanischen Kunst. Verglichen mit dem künstlerischen Aufbruch in Europa des 15. Jahrhunderts wird auch in Afrika aus den Wurzeln kultischer und religiöser Bräuche heraus ein Streben nach autonomer Kunst erkenntlich. Das Individuum rückt als Motiv ins Zentrum des Schaffenden.

 

Erste Adresse

Kleine-Gunks Galerie „Zak“ gilt als erste Adresse in Deutschland für zeitgenössische Kunst aus Afrika. In Zusammenarbeit mit der Art-Agency Hammond wird Sammlern und Interessierten hier ein breites Spektrum dieser Kunst geboten. Die nun schon dritte einschlägige Präsentation stellt sieben ostafrikanische Maler, hauptsächlich aus dem Kunstkessel Nairobi, vor. Die vertretenen Künstler, ausnahmslos, Autodidakten, sind bereits durch internationale Ausstellungen weit über die Grenzen Ostafrikas hinaus bekannt geworden.

 

Teilweise etwas ungünstig platziert, verlangen die zahlreichen qualitativ sehr unterschiedlichen Arbeiten Ruhe, um in die fremde Bildwelt eintauchen zu können Das Verkehrsgedröhne von der Koenigstrasse stört dabei nicht unerheblich. So sind es die Bilder von Dreien, die überdurchschnittlich überzeugen. Die Künstler schaffen es mit unterschiedlichster Formensprache aus der Tradition einer großen Kultur, die dem Untergang geweiht ist, inhaltlich und gestalterisch einen eigenen „Mikrokosmos“ zu schaffen.

 

Kivuthi Mbuno’s Buntstiftarbeiten haben keine Titel. Die expressiven Szenarien vor leuchtfarbigen, monochromen Hintergründen sprechen für sich. Das Vokabular ostafrikanischer Mythologie macht sich Mbuno zu eigen, rückt jedoch die abstrahiert graphische Formenfindung immer mehr ins Zentrum der Bildvermittlung. Da gehen Affen und Menschen gemeinsam auf die Jagd, Elefanten tragen dem Menschen die Körbe hinterher – alles in einem der Perspektive enthobenen Raum.

 

Joel Oswaggo hingegen erzählt, ebenfalls mit Buntstift auf Papier, beschreibt, schildert das Leben in und mit seiner Umgebung. Trostlose, schreckliche Seiten des „Shanty-town“-Daseins kommen zum Beispiel in dem Bild „Sucking worms“ zum Ausdruck, aber auch die Freuden der Gemeinschaft – „Putting on the paint“. Im Bild „moving out“ sehen Tonkrüge aus wie Hungerbäuche – aufgebläht, krank. Interessant ist der zart angelegte Hintergrund, der Schmerzensschreie in eine endlose Weite treibt.

 

Stakkatoartig

Zachariah Mbutha bringt den Menschen mit seinen einfachen, großen Gefühlen in einer liebevollen, humorvollen Art und Weise auf die Leinwand. Die dick aufgetragene Ölfarbe unterstützt die Plastizität des Bildes. Kopf, wie Körper, wie Maiskolben werden kraftvoll, stakkatoartig auf den Malgrund getrieben. Schoen, wie die Maiskerne in „eating corn“ beinahe aus dem Bild bröckeln. Die Frau ist dominant in Mbuthas Bildern, aber dann ist es wiederum das Nashorn, das kräftig geküßt wird.