ARCHIVE 1996

Gallery ZAK (1995 – 2002), Königstr. 132, Fürth, Bavaria

Lilanga’s World

 

George Lilanga

 

Gallery ZAK


Fürth, Bavaria


23.02. - 22.05.1996

Fürther Nachrichten, 1996, ULRIKE KÖRNER

 

„Graffiti-Art“ aus Afrika

ZAK-Galerie zeigt die erste deutsche Ausstellung von George Lilanga – Expressive Koboldgeschichten

 

Keith Haring startete seine künstlerische Erfolgslaufbahn im New Yorker Underground, in dem er stilisierte großzügige Zeichnungen auf leere Plakatwände anbrachte. Mittlerweile zieren seine Figuren T-Shirts, Briefpapier oder Kaffeetassen. Bereits vor Harings Graffiti-Art entstanden in Süd-0stafrika ebensolche plakativen Malereien – aus Geldnot meist direkt auf den Fußboden und mit Autolack aufgetragen.

Tummelplatz der Kobolde: Auf den puren Ausdruck reduziert George Lilanga seine phantasievoll kombinierten Zwitterwesen. Foto: Kögler

Naive Tierbilder oder dörfliche Szenen stellten die sogenannten „Quadratmaler“ (in Anlehnung an die Linoleumplatten des Fußbodens) dar. Diese spontane Malerei sieht sich zugleich als Medium, als eine Vermittlung zwischen der Jetztwelt und der Ahnenwelt. Leider wurden diese „narrativen Metamorphosen“ aber bald als Souvenirkunst vermarktet.

 

Nur wenige Maler haben es geschafft, sich als eigenständige Künstler zu behaupten. George Lilanga dessen Wurzeln zweifelsohne in dieser Volkskunst liegen, hat seine individuelle Bildsprache daraus entwickelt und gilt heute als der bedeutendste Künstler Tansanias.

 

„Lilanga’s world“, Lilangas Welt im Bild, zeigt die Galerie ZAK in der Königstraße, die damit bundesweit die erste Werkschau des Afrikaners präsentiert. In den USA wie in Japan feierte der „Graffiti-Maler“ jedoch schon internationale Erfolge.

 

Zwitterwesen

Geboren 1942, kam Lilanga im väterlichen Betrieb früh mit dem Schnitzhandwerk in Berührung und ließ sich selbst zum Holzschnitzer ausbilden. Die Tradition der Makondeschnitzerei beeinflußte ihn stark in seinen späteren Bildern: Immer wieder tauchen die koboldartigen Zwitterwesen, die Mensch, Tier und Geist in einem sind (Shetanfiguren), phantasievoll kombiniert auf der Leinwand auf. Die Bilder Lilangas haben keine Titel. Das agile Szenario spricht eindringlich für sich.

 


So mancher Kobold reizt zum Lachen. So hängt auf einem Bild ein scheinbar „blinder Hase“ mit Riesenohren gar arg in den Seilen, oder es erinnern die überlangen Gliedmaßen an Krücken. Arme stützen, heben, halten – umarmen die nächststehende Figur. Die dargestellten Körper fließen in einander: eine einzige Geste der Kommunikation. Der Künstler reduziert seine kraftvoll farbigen Wesen so lange, bis nur mehr der pure Ausdruck übrig bleibt: Augen, Ohren und der einzähnige Mund werden in ihrer Überzeichnung zum Symbol. Ob ein Gesicht nun besonders böse ist, das sieht man prompt. Auf den acht quadratischen Platten wie auf den großformatigen Leinwänden bleibt Lilangas Vokabular gleich. Er wiederholt sich nachdrücklich.

 

Ulkiges Völklein

Sein ulkiges Völklein tummelt sich vor einem stimmigen und stimmungsvollen Farbverlauf. Die flachen Figuren bekommen Tiefe. Eine verstärkte schwarze Umrißlinie wirkt zeichnerisch, comichaft.

 

Die deckende Lack- oder Acrylfarbe bleibt leicht und flexible, so ergänzt der Malgrund die Wirkung des Farbauftrags. Materialität oder Perspektive des dargestellten spielen bei Lilanga keine Rolle. Die Umgebung sowie Attribute der Figuren werden kürzelartig ergänzt, bleiben aber dekoratives Stilelement.

 

Die schillernde Erzählung, das oft überzogen geschilderte Märchen sind ein wesentlicher Bestandteil der afrikanischen Kultur. Die Bilder von Lilanga machen nichts anderes: Farbe wie Form erzählen Geschichten – vorausgesetzt, man versteht die Symbolik. So manches bleibt zwangsläufig ein wenig fremd. Aber sind es nicht gerade die Geheimnisse, die das Leben spannend und interessant machen?