ARCHIVE 1996

Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer.

 

 

„Sarenco and The Malindi Connection

(1986 – 1996)“

Stadttheater Fürth

Fürth (Bavaria)

22.09. – 07.11.1996

Artworks

Grazia Azzali    Julien Blaine    Ugo Carrega    Claudio Francia    Pierre Garnier    Richard Onyango    Ignazio Moncada    Jeff Mwai    Ann Noel    John Nzau    Abdallah Salim    Sarenco    Peter M. Wanjau    Emmett Williams

Press Archive

Fürther Nachrichten, 27.09,1996, G. FÜRSTENBERGER

 

Im Banne Mamma Afrikas

Italiener Sarenco und seine „Malindi Connection” stellen vielfältige Arbeiten im Stadttheater aus

 

Was geschieht, wenn ein anerkannter italienischer Künstler, mitten im unwirtlichen europäischen Winter, eine Reise nach Kenya unternimmt und dort - hast du nicht gesehen – der Faszination des „schwarzen Kontinents“ erliegt, seinem intensiven Leben, seinen tropischen Sonnenuntergängen, seinen schönen Frauen?

Ein multikultureller Moderator ist der Italiener Sarenco, hier vor einem seiner schachbrettartigen Werke, die Malerei und Schrift verbinden. Foto Meyer

 

Vielleicht wird er wieder und immer öfter dorthin zurückkehren wollen. Vielleicht wird er schließlich beginnen, einen Teil des Jahres in Afrika zu wohnen. Dann wird er dort auch arbeiten. Er wird seinen hoffnungslosen Enthusiasmus in Kunst verwandeln. Er wird Künstlerfreunde um sich scharen, europäische und vielleicht auch afrikanische. Und vielleicht wird er vielleicht sogar eines Tages schreiben. „Es gibt heute keine Kunst, kein Leben außerhalb von Afrika“.

 

Visueller Poet

Das ist alles wirklich geschehen, detaillierter nachzulesen in der (leider vor Druckfehlern strotzenden) Einleitung zum Ausstellungskatalog „Sarenco and The Malindi Connection“. Zugestoßen ist es eben diesem Sarenco, bürgerlich Isaia Mabellini einem „Visuellen Poeten“, der in seinem bisher 51jährigen Leben immerhin zwölf Filme gedreht und 42 Bücher veröffentlicht hat. Die Arbeitsergebnisse seiner fruchtbaren europäisch-afrikanischen Künstlerunion „Malindi Artists’ Proof“ (benannt nach dem kenyanischen Wohnsitz des Initiators) sind jetzt im Fürther Stadttheater zu besichtigen.

 

Es liegt wohl in der Natur der Sache: Die (ohne Titel-, wohl aber mit Preisangabe) ausgestellten Kunstwerke könnten verschiedenartiger nicht sein, stilistisch, technisch und motivisch. Gemeinsam sind ihnen nur der Ort, an denen sie entstanden und die Tatsache, daß Malindi in ihnen allen Spuren hinterlassen hat.

 

Da hängen dann abstrahierende und zeichenhafte Avantgarde-Werke von Künstlern die aus der Fluxus-Bewegung um Joseph Beus hervorgegangen sind, neben technisch „naiven“ Landschafts- und Mythologiegemälden oder drastischen Illustrationen der afrikanischen Aids-Problematik. Der apokalyptischen Darstellung eins Zugunglücks steht heiter verspieltes gegenüber, Collagen hängen neben Holzschnitzereien. Fotos neben Zeichnungen. Ein schöner Einfall: Jeder Künstler hat zu der Ausstellung einen kleinen, selbstgestalteten Handkoffer beigesteuert. Sprachspielerischer Titel des Arrangements: „Malindi Suite-Cases“.

 

„Sarenco and the Malindi Connection” fügt dem Reigen afrikanischer Kunstereignisse, die derzeit in Fürth faszinieren, einen interessanten seltsam zwiespältigen Aspekt hinzu. Denn sie zeigt nicht zuletzt, zu welcher unschätzbaren Bereicherung und Inspirationsquelle dieser brodelnde und leidende Kontinent heute für (reiche und müde?) Künstler aus dem reichen und müden Europa und Amerika werden kann.

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