ARCHIVE 1996

Das Klinikum der Stadt Fürth wurde im Jahre 1931 als Städtisches Krankenhaus eröffnet.

 

 

„Malerei“

Doris Weller

Klinikum Fürth, Bavaria

29.11.1996 – 22.01.1997

Press Archive

Fürther Nachrichten, 1996, REGINA URBAN

 

Von Regenmachern und Königen

Ausstellung von Doris Weller im Klinikum erschließt farbenfrohe Welt der Igbos – Bildergrenzen aufgehoben

„Frühes Spiel“: Doppelteiliges Bild von Doris Weller. Foto: Kögler

 

In eine farbenfrohe, märchenhaft anmutende Welt entführt die Malerei der Nürnberger Künstlerin Doris Weller, die zur Zeit im Klinikum Fürth zu sehen ist. Bilder von Menschen mit einfachen geometrischen Figuren als Kopf und Bauch, bewußt disproportioniert, die Gesichter allenfalls angedeutet, entfalten einen kindlich-naiven Charme. Durch die Abstrahierung von der konkreten Gestalt wird der Blick auf das dargestellte Geschehen gelenkt. Fast immer sind die Figuren in Handlungen begriffen – rituelle oder alltägliche Verrichtungen. Manches ist erkennbar, anderes nur erahnbar. Bilder, die die Phantasie anregen und kleine Geschichten erzählen.

 

Bilder aus Nigeria, wo Doris Weller vor acht Jahren den Stamm der Igbos kennenlernte und die von den Igbo-Frauen gepflegte Kunst der ornamentalen Wandmalerei. Seitdem hat sich die Künstlerin, die an der Werkkunstschule in Würzburg studierte und in den 80er Jahren das „Kunstquartier“ in Nürnberg als freie Kunstschule mitbegründete, gänzlich von ihrem früheren konstruktivistischen Stil und von den geraden Linie abgewandt.

 

Im nigerianischen Nsugbe, inzwischen Doris Wellers zweite Heimat, lernte sie selbst, die Wände der Lehmhütten mit Kalk und Holzkohle in kühnen Linien zu bemalen. So bekam sie ein Gefühl für die „unendliche Malerei“, die nicht auf ein Bildformat beschränkt ist, sondern sich zyklisch fortsetzt. Diese Technik hat sie auf ihre Leinwandbilder übertragen. Der Bildrand ist quasi aufgehoben. Die in Fürth gezeigten Werke könnte man auch als fortlaufende Bildergeschichte aneinanderreihen.

 

Die vielgestaltige Welt, die sich meist erst auf den zweiten Blick erschließt, inspiriert dazu, in den Bildergeschichten auf Entdeckungsreise zu gehen. Wo die eigene Phantasie nicht ausreicht, helfen die Titel auf die Sprünge: „Spirits Playground“, „Die Küche der Hexe“, „Kraft in Schatten“, „Der Palmweintrinker“, „Tanz der Medizinmänner“, „Der Regenmacher“, „Schwarzes Königspaar“ – ein Panoptikum des Lebens in einer den meisten Europäern wenig vertrauten Welt erschließt sich hier auf unterhaltsame, oft zum schmunzeln anregende Weise.

 

Den Westen mit der Kunst des Igbo-Stammes vertraut zu machen, ist auch durchaus ein Anliegen der 44jährigen Künstlerin. Gemeinsam mit ihrem nigerianischen Lebensgefährten und mit Unterstützung des Auswärtigen Amts gründete 1992 in Nsugbe die Ama Dialog Foundation, eine Art künstlerisches Bildungszentrum, in dem die traditionellen Künste der Igbos gepflegt und regelmäßig internationale Workshops veranstaltet werden.

 

Mit der Präsentation der Weller-Bilder im Klinikum wurde zumindest im Sinne der Patienten eine glückliche Wahl getroffen. In ihrer zumeist hellen, warmen Farbigkeit stimmen die Bildergeschichten heiter und dürften manchen Schmerz und manche Sorge vorübergehend vergessen lassen.

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