ARCHIVE 1997

Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer.

 

„Bütenbläser und Mondvogel“  

Wolfgang Harms

Stadttheater Fürth

Fürth (Bavaria)

09.11. – 12.12.1997

Artworks

Wolfgang Harms

Press Archive

Fürther Nachrichten, 1997, GERD FÜRSTENBERGER

 

Mondvögel und flüchtende Würfel

Ausstellung von Wolfgang Harms im Theater konfrontiert mit einer überquellend üppigen Phantasiewelt

„Blütenbläser vor Mondrian”: Wolfgang Harms in seiner Ausstellung im Stadttheater. Foto: Winckler

 

Seien wir ehrlich: Die Bilder, die derzeit im Foyer des Fürther Stadttheaters ausgestellt sind, sind eine Zumutung für die moderne und selbst die „postmoderne“ Kunstauffassung. Ganz abgesehen davon, daß sie auch einen von kunsthistorischer Vorbildung Unbelasteten in Verwirrung darüber stürzen können, wo der gute Geschmack nun aufhört und der Kitsch anfängt – einmal vorausgesetzt, daß der Betrachter sein Urteil nicht ganz naiv nur von der offensichtlich großen technischen Meisterschaft des Malers bestimmen lassen will.

 

Wolfgang Harms konfrontiert den Betrachter ähnlich wie Ernst Fuchs – bei dem er einmal studieren wollte – mit einer überquellend üppigen, bis zur Augentäuschung „realistisch“ dargestellten phantastischen Welt, die für die einen ein Traum sein mag, für die anderen eher ein Alptraum ist. Da lassen pflanzliche Wesen mit einem lieblichen Engelsantlitz wie von Frau Angelico aus Schalmeien Blüten statt Töne emporsteigen und symbolisieren erhaben-königliche Mondvögel den Wandel in der Natur und künstlerische Fruchtbarkeit.

 

Der Wahlnürnberger malt Putten, die auf Halmen balancieren, und kulissenhafte Phantasielandschaften mit fremdartigen Pflanzen und reiherähnlichen Vögeln, die – ein überraschend groteskes Element – hinter flüchtenden Würfeln (!) her sind. Dabei läßt er detailverliebt oft keinen Quadratzentimeter der Acryl- und Ölmalereien ungestaltet, so dass die ornamental wuchernde Überfülle den Betrachter eher zu erschlagen statt anzuregen droht. „Weglassen“ ist nicht die Stärke dieses altmeisterlich auftrumpfenden Künstlers.

 

Motive und Malauffassung des an der Nürnberger Akademie ausgebildeten 47jährigen sind offensichtlich und ausdrücklich der großen Kunstepoche der Renaissance verpflichtet. Und wie die Meister der damaligen Zeit wird auch Wolfgang Harms vor allem im Auftrag aktiv. Was den Renaissancekollegen die Fürsten waren, sind ihm Industrielle wie Max Grundig, Ärzte oder andere vermögende Privatleite.

 

Mit großem erfolg hat Harms sich dabei auf Wand- und Tafelbildmalerei spezialisiert, bei der die illusionistischen „Trompe-l’oeil“-Effekte („Täuschung des Auges“) schon immer besonders zum Zuge kamen. Seine Jahrhunderte überspringenden Vorlieben hindern Wolfgang Harms bemerkenswerterweise aber auch nicht daran, eine Hommage an Piet Mondrian, diesen Heros der abstrakten Moderne, zu malen.

 

Mutig konsequent

Man muss diese Bilder nicht mögen. Doch wirft man einmal alles Epochendenken und Vorstellungen von einer sich irgendwie fortentwickelnden Kunst über Bord und läßt als Qualitätskriterium nur die Individualität und Unverwechselbarkeit einer künstlerischen Handschrift gelten, wird man Wolfgang Harms’ Kunst Legitimität, Mut und Konsequenz nicht absprechen können.

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