ARCHIVE 1997

Galerie ZAK (1994 – 2002), Königstr. 132, 90762 Fürth, Germany

 

 

„Kunst von Kenya“

Galerie ZAK

(Zeitgenössische Afrikanische Kunst)

Fürth (Bavaria)

26.09. – 19.11.1997

Artworks

Richard Onyango   Joel Oswaggo    Mahe    Munjau Jaa    Josef Juma   Mainga    Sachin

Press Archive

Fürther Nachrichten, 30.09.1997, REGINA URBAN

 

Zwischen Dorfleben und Großstadtchaos

Galerie ZAK zeigt Vielfalt der zeitgenössischen Kunst in Kenia

Angehörige des Massai-Volkes, dargestellt von dem kenianischen Künstler Mahe. Foto: Winckler

 

Einen hervorragenden Eindruck von der Vielfalt und Originalität zeitgenössischer kenianischer Kunst gibt die Ausstellung „Kunst aus Kenia“, die am Wochenende in der Galerie ZAK eröffnet wurde. Keine Stammeskunst wird hier präsentiert und auch keine kitschige Airport-Art, wie sie Touristen massenweise in den Souvenirläden des ostafrikanischen Landes angeboten wird. Vielmehr zeugen die Werke vom hohen Niveau und vom ausgeprägten Individualismus der kenianischen Kunstszene, die sich weder inhaltlich noch stilistisch auf eine Richtung festlegen läßt.

 

Neben den international renommierten „Altmeistern“ Kenias hat der Fürther Arzt und Afrikakunstsammler Bernd Kleine-Gunk, der die Ausstellung nach Fürth holte, auch die experimentellen Arbeiten der Nachwuchskünstler berücksichtigt. Zu den Altmeistern gehört fraglos Joel Oswaggo, der in sorgfältig gearbeiteten Buntstiftzeichnungen das dörfliche Leben Kenias und seine traditionelle Kultur darstellt. Obwohl es Bilder von einer noch intakten Welt sind, verzichtet Oswaggo auf jeden verklärenden oder romantisierenden Blick, zeigt die durch Mangelernährung aufgetriebenen Hungerbäuche der Kinder ebenso wie die schmerzhaften Rituale dieser Kultur. In ihren typischen Merkmalen stark überzeichnet, bekommen seine Figuren etwas Karikaturistisches, werden aber nie lächerlich gemacht. Oswaggos Bilder sind ein beeindruckendes Dokument einer von Untergang bedrohten Welt.

 

Eine ganz andere Seite der kenianischen Realität zeigt Richard Onyango, ein „Shooting-Star“ der heimischen Kunstszene, der auch mit Ausstellungen in New York, Paris oder Venedig Furore machte. In einem früheren Bilderzyklus hatte Onyango seine Beziehung zu einer reichen Engländerin, Dr. Souzy Drosie, aufgearbeitet, die ihn in einer Bar in Malindi kennengelernt und spontan als Liebhaber engagiert hatte. Beherrschte in diesen Werken die reiche weiße Frau mit ihrer opulenten Leibesfülle das Bild, so hat sich das Selbstbewusstsein des Künstlers in seinen jüngsten Werken deutlich gewandelt.

 

In „Raub der Europa“ ist er nicht mehr der kleine gemietete Neger im Hintergrund, sondern Zeus, der in Gestalt eines großen weißen Stiers die entführte Europa/Miss Drosie davonträgt. Die Ausstellung macht diese Veränderung der Selbstsicht Onyangos deutlich, indem zwei der surrealistisch anmutenden neuen Gemälde mit einem Werk aus dem alten Miss-Drosie Zyklus konfrontiert werden.

 

Im Gegensatz zur schwelgerischen Formensprache Onyangos stehen die Massai-Bilder des Künstlers Mahe. Meist in Gruppen zusammengefaßt und extrem stilisiert, strahlen die gesichtslosen Figuren auf Anhieb etwas von der Ordnung, von der strengen Traditionsgebundenheit und vom Stolz dieses ostafrikanischen Nomadenvolkes aus. Der erhabene Ausdruck wird durch die Farbwahl noch verstärkt. Wenn Mahe seine leuchtend rot gewandeten Menschengruppen vor einen braunen oder strahlend blauen Hintergrund  stellt, entsteht eine fast sakrale Stimmung.

 

Archaischer Charme

Ähnlich reduziert in der Form sind die schalen Menschengestalten von Munjau Jaa, die wie ins Zweidimensionale übertragene Abbildungen der stabförmigen Figuren des Bildhauers Alberto Giacometti wirken. Jaa trägt die Farbe – meist Pastelltöne – mit den Fingern auf und ritzt mit kleinen Stöckchen Strukturen in die dargestellten überschlanken Korb- und Holzträger. Diese Technik verleiht seinen Bildern einen rauen, archaischen Charme.

 

Einen bunten, naiv anmutenden Bilderkosmos entfaltet der junge kenianische Künstler Josef Juma. Seine Hirten, Angler, Tiere haben befremdliche Züge, erzählen phantastische Geschichten vom afrikanischen Leben. Eine Bildsprache, die weit entfernt ist von der intellektuellen westlichen Malerei.

 

Wie Tätowierungen wirken die Ledermalereien von Mainga. Mit ganz zarten Pinselstrichen tupft er die Farbe direkt auf die braune Oberfläche. Auf Raumwirkung wird gänzlich verzichtet. Die Figuren bleiben alle auf einer Ebene, überlappen sich, steigen übereinander auf. Das Ergebnis sind Arbeiten mit stark ornamentalem Charakter.

 

„Modern Times“ heißen drei Bilder des in Nairobi lebenden Künstlers Sachin. Die ganze Malfläche ist ausgefüllt mit kleinen, abstrakten Formen in bunten Kaugummi-Farben. Auf winzige Striche reduziert, scheinen die Menschen fast zwischen diesen Formen hindurchzurutschen. Sachins Arbeiten sind ein kritischer Kommentar zum überwältigenden Chaos des Großstadtlebens, in dem der Mensch zunehmend untergeht. Sie könnten auch in Paris Berlin oder London entstanden sein. Sicherlich die westlichsten Bilder der Ausstellung.

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