ARCHIVE 1998

Das City-Center Fürth wurde 1985 als ein Einkaufszentrum in Fürth (Bavaria) eröffnet.

 

 

„AIDS sehen“

Bilder von zeitgenössischen afrikanischen Künstlern zum Thema AIDS

Etwas Los, City-Center Fürth

Fürth, Bavaria

 30.03. – 04. 04.1998


Artworks

AIDS in der zeitgenössischen Afrikanischen Kunst

 

Afrika steht vor einer medizinischen Bedrohung, deren Ausmaß nicht nur gesundheitliche, sondern auch soziale und wirtschaftliche Auswirkungen hat. Die Rede ist von AIDS. Während das Thema von vielen afrikanischen Regierungen noch immer totgeschwiegen wird, widmen sich die Künstler des Kontinents dem Problem auf ihre Weise. Phantasievoll und ohne Tabus zeigen sie die Gefahren und Auswirkungen der AIDS-Epidemie - und erreichen die Bevölkerung damit zumeist besser, als es westliche Hilfsorganisationen mit ihren Aufklärungsprogrammen vermögen.

 

Lemming Munyoro (Zimbabwe)

widmet sich mit plakativer Direktheit. Das männliche Glied verwandelt sich in einen angriffslustigen Schlangenkopf und streckt sich lustvoll dem ahnungslos unschuldigen Mädchen entgegen. Um eine zum Totempfahl erstarrte HIV-Infizierte windet sich eine Schlange als Sinnbild für den todbringenden Virus. In ihrer bunten Stilisierung verkörpern die Bilder aber zugleich auch kraftvolle Lebensfreude. Auf der Rückseite der Leinwände hat Munyoro kleine Geschichten geschrieben, die von Leichtsinn der schnellen sexuellen Hingabe erzählen. Er malt ganz klassisch in Öl. Die Farben Grün und Orange, Braun und Gelb. Zwischen naiver Malerei und der Felsmalerei mit ihrer Röntgentechnik stehen seine Bilder. Erläuterungen hat er auf die Rückseite der Leinwand gekritzelt.

 

Cheri Samba (Congo)

Cheri Sambas Bild von einem ausgemergelten Aidskranken, der auf dem Sterbebett liegt und sich drüber grämt, daß sich die Ehefrau nach seinem Tod seines Eigentums bemächtigen könnte, bringt Trauer, Leid und  Einsamkeit ebenso zum Ausdruck wie herzlosen Egoismus.

 

Zephania Tshuma (Zimbabwe)

Die bemalten Holzskulpturen von Zephania Tshuma der  mit seiner Realität, seinen Träumen und Ängsten auch sein Volk darstellt, findet sich der Gestus des moralisierenden Lehrstücks für richtiges Benehmen, das sich nicht an die Kunstsammler und Professoren in Übersee wendet. Dafür findet der Alltag in den fabelartigen Zwitterwesen aus Mensch und Tier einen satirischen Spiegel. Ein Thema wie Aids wird hier schonungslos offen dargestellt Dabei bietet das Material Holz einen weichen, formschönen Kontrast.

 

Dr. Bernd Kleine-Gunk