ARCHIVE 1998

Das Klinikum der Stadt Fürth wurde im Jahre 1931 als Städtisches Krankenhaus eröffnet.

 

 

H.-Michael Jostmeier & Peter Thiele

Klinikum Fürth

Fürth (Bavaria)

13.03. – 13.05.1998

Artworks

Peter Thiele

Press Archive

Fürther Nachrichten, 21./22.03.1998, REGINA URBAN

 

Kreatives Spiel mit dem Abc

Klinikum zeigt Bilder von Peter Thiele, Fotografien von Michael Jostmeier und Kunst von Hauptschülern

42 „Bildstaben“, zum kreativen Figurenalphabet: Peter Thieles „entfernte Verwandte der Buchstabenfamilie“. Foto: Kögler

 

Zwei Nürnberger Fachhochschul-Professoren und Kinder der Hauptschule Pfisterstraße bestreiten die dritte Ausstellung, die jetzt im Hauptverteiler des Klinikums eröffnet wurde. Erneut ist der Art-Agency Hammond und Klinikmitarbeiter Herbert Galster eine ebenso lebendige wie hochwertige Zusammenschau von Schüler-, Foto- und bildnerischer Kunst gelungen. Nach der Erweiterung der Ausstellungsräume auf drei Etagen im vergangenen Jahr kann das Fürther Krankenhaus inzwischen mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen, mit die größten und interessantesten Kunstpräsentationen in der Stadt vorzustellen.

 

Peter Thiele, seit 1979 an der FH lehrend und langjähriges Mitglied in der traditionsreichen Nürnberger Künstlergruppe „Der Kreis“, entfaltet im dritten Stock eine kunterbunte Welt aus Bild- und Schriftzeichen – seine „Bildstaben“, die er als „entfernte Verwandte der bekannten Buchstabenfamilie“ definiert und die aus seiner Faszination für das Alphabet heraus entstanden sind. In einem Laotse-Zitat über das „Tao“ fügt der Künstler noch unversehrte Buchstaben in bunten Kästchen zu ganzen Sätzen zusammen. Doch danach folgen nur noch Bruchstücke von Buchstaben, Formtrümmer, die neue figürliche Gestalt gewinnen und eher altägyptischen Hieroglyphen ähneln als dem Abc.

 

Übermütiges Spiel

Thiele setzt seine „Staben“ in kleine weiße Quadrate, läßt sie tanzen, durch den Himmel fliegen oder zum Teppich sich verflechten. Das wirkt wie ein übermütiges Spiel mit dem selbst kreierten Figurenalphabet, in dem die Buchstaben Rüssel und Gesichter haben, wie Spielzeug oder kleine grinsende Gespenster aussehen.

 

Trotzdem herrscht Ordnung in den Bildern. Thiele bändigt seine Phantasiegebilde, indem er sie zu Reihen gruppiert und in Quadrate stellt. Im Zentrum der Bilder ist die Form streng, am Rand aber werden Purzelbäume geschlagen.

 

„Bildstaben“ sind für Thiele „Ergebnisse gestalterischer Neugier“. Sie entstehen aus einem kalligrafischen oder typografischen Impuls des Künstlers heraus, wachsen weiter und vergehen wieder. Als hätten sie ein Eigenleben, mit dem sie ihren Schöpfer selbst überraschen. Für den Betrachter ist das ein höchst spannendes Erlebnis.

 

Neben den großen Acrylbildern und den kleinen Mischtechnikarbeiten zeigt Thiele in der Ausstellung vier ältere Radierungen von herausragender handwerklicher Qualität. Auch hier wird der spielerische Ordnungssinn des Künstlers offenbar. Seine in vielen kleinen Kästchen aneinandergereihten und durchnummerierten „Lebensbäume“ sind bizarre Phantasiegestalten, aus Händen, Vögeln, monströsen Menschengestalten geformt, mit Augen und Schweifen, mal trotzig dreinschauend oder hämisch grinsend. Ein ebenso unheimliches wie witziges allegorisches Panoptikum voller rätselhafter Symbolik.

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