ARCHIVE 1998

Stadtsparkasse Fürth, Maxstraße 32, 90762 Fürth

 

„Begegnungen"

Oskar Koller

Stadtsparkasse Fürth

Fürth (Bavaria)

24.09. - 28.10.1998

Press Archive

Fürther Nachrichten, 1998, REGINA URBAN

 

Gespür für die Aura der Dinge

Werke Oskar Kollers eröffnen neue Ausstellungsreihe in der Stadtsparkasse – Erkenntnis des Wesentlichen

Oskar Koller vor Bildern seiner Ausstellung in der Kundenhalle der Stadtsparkasse. Foto: Winckler

 

Die Kundenhalle der Stadtparkasse etabliert sich als neues Forum für Kunst. Bereits zwei Ausstellungen waren nach dem Hallenumbau zu sehen, wobei vor allem die große Bilderschau zum Gedächtnis an den Fürther Maler Hans Langhojer auf ein beachtliches Publikumsinteresse stieß. Jetzt hat sich die Stadtsparkasse – unterstützt von der Art-Agency Hammond – einen der renommiertesten Künstler der Region ins Haus geholt. Mit Oskar Koller wird zugleich ein Ausstellungskonzept eröffnet, das unter dem Slogan „s-art – Kunst & Kultur“ künftig in regelmäßigen Abständen bereits bekannte, aber auch hoffnungsvolle Nachwuchskünstler vorstellen will.

 

Ob es an der Premiere der „s-art“ lag oder am faszinierenden Oeuvre Kollers – die Vernissage am Mittwochabend geriet jedenfalls zu größten, die die Stadtsparkasse je erlebt hat. Auch die starke Sportkonkurrenz im Nürnberger Frankenstadion – wo die Spielvereinigung au die Bayern traf – machte offenbar kaum Publikum abspenstig. Immerhin erkannte Sparkassendirektor Rainer Heller bei seiner Begrüßungsrede unter den zahlreichen Gästen auch einige eingefleischte Fußballfans.

 

Die von einem Saxophon-Trio der Sing- und Musikschule umrahmte Einführung in Kollers Werk übernahm ein prominenter Gastredner. Eugen Gomringer gilt als Vater der konkreten Poesie, war Kunstprofessor an der Düsseldorfer Akademie und ist heute international auf Vortragsreisen unterwegs. Obwohl seine erste Begegnung mit dem Nürnberger Maler erst vor wenigen Jahren stattfand, ist der 73jährige ein ausgewiesener Kenner des Koller’schen Schaffens, schrieb 1996 auch das Vorwort zu dessen zweitem Werkverzeichnis mit Druckgraphiken.

 

In Fürth hob Gomringer vor allem die technische Meisterschaft von Kollers Aquarell- und Acrylarbeiten hervor, in denen stets eine ganz spezifische Sehweise zum Ausdruck komme. Der Künstler verstehe es, seinen Figuren Aura zu geben, eine Aura des Außergewöhnlichen, des nicht Realen, des Leichten und Schwebenden. Indem Koller – „ein Abstrakter, aber mit Maßen“ – von der Erdenschwere der Dinge abstrahiere, mache er ihr Wesen sichtbar, verhelfe zur Erkenntnis

 

Vor allem in seinen Blumenbildern erweise sich der Maler auch als Bewahrer vergänglicher Schönheit. Als Kunsterlebnis gebe er der schnell verblühten Natur ein dauerhaftes Dasein. In einer Welt, in der uns die Dinge mehr und mehr entgleiten zu bloßen Daten werden, sei er der Bewahrer, der an die Unzerstörbarkeit des nicht oder nicht mehr Sichtbaren erinnert.

 

Kollers Meisterschaft liege dabei in der klug dosierten Malweise. Durch die Sparsamkeit seines Pinselstrichs, durch seine Abstraktionen, die dem Grundsatz „less is more“ folgen, biete er Anhaltspunkte der Erkenntnis, gleichbedeutend einer Spurensicherung zu den Gegenständen“.

 

Gleichnisse für Stimmungen

Daß der heute 72iährige Koller, der 1996 den Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten erhielt seinem sparsamen und doch so vielsagenden Duktus treugeblieben ist, ihn sogar noch vervollkommnet hat, führt die Fürther Ausstellung mit mehr als 50 überwiegend in den letzten Jahren entstandenen Bildern aufs Schönste vor Augen. Seine leuchtenden Blumenbilder in dick aufgetragenen Acrylfarben feiern still die Schönheit der Natur. Seine Aquarellbilder von immer gesichtslosen Menschengestalten, allein oder in Gruppen in einen leeren Raum gestellt, sind von einer meditativen Aura umhüllt und Gleichnisse für Stimmungen.

 

Den Wechsel der Stimmungen im Lauf der Jahreszeiten zeigt Koller in 13 Kalenderblättern. Das sind schnörkellose, stille Ansichten zur Vielfalt des Lebens, die einmal mehr von Kollers meisterlicher Aquarellkunst zeugen und seine Selbsteinschätzung bestätigen: „Im Lauf der Jahre habe ich es gelernt, mit den einfachsten Mitteln viel zu sagen und alles Unwesentliche wegzulassen.“ Unter dem Titel „Begegnung“ sind diese Bilder auch als Kalender-Ausgabe für 1999 zusammengefaßt. Eine kostbare Kunstgabe, die man sich notfalls auch selbst zum Geschenk machen sollte.

Invitation Archive

Oskar Koller: No title, 1992, Original screen print, Edition 164/280

 

A present from Oskar Koller to John and Renate Hammond on the occasion of his exhibition “Begegnungen” (“Meeting”) at the Sparkasse Fürth in 1998.

Oskar Koller: No title, 1996, Original screen print, Edition 5/28

 

A present from Oskar Koller to John and Renate Hammond on the occasion of his exhibition “Begegnungen” (“Meeting”) at the Sparkasse Fürth in 1998.