ARCHIVE 1998

Galerie ZAK (1994 – 2002), Königstr. 132, 90762 Fürth, Germany

 

 

„Medizin in der zeitgenössischen Afrikanischen Kunst“

Galerie ZAK

Fürth (Bavaria)

13.02. – 13.05.1998

Artworks

Diané    [John Kilaka]    [George Lilanga (1934 - 2005)]    [Lemming Munyoro (1938 - 1998)]    [Peter Martin (1959 – 2005)]    [Joel Oswaggo]    [Chéri Samba]    

[Zephania Tshuma (1932 – 2000)]   

Vernissage 13.02.1998

Press Archive

Fürther Nachrichten, 1998, REGINA URBAN

 

Wo die Ärzte mit Schockbildern werben

Ausstellung „Medizin in der zeitgenössischen afrikanischen Kunst“ in der Galerie ZAK – Künstler greifen Arztschilder als Motiv auf

Wie es beim Chiropraktiker und Bewegungstherapeuten zugeht, zeigt drastisch ein Schilderbild von Diané. Foto: Winckler

Krankheit und Medizin sind Lebensbereiche, die in westlichen Kulturkreisen in der Regel hinter verschlossenen Türen stattfinden. Tabuthemen, ins Private verwiesen und zum Spezialgebiet der Experten erklärt. In afrikanischen Ländern gelten solche Tabus weit weniger. Wie das gesamte Leben spielt sich auch das Leiden weit mehr in der Öffentlichkeit ab. Und ebenso der Kampf dagegen. Aufklärungskampagnen in Sachen Aids oder Verhütung werden nicht selten unter freiem Himmel durchgeführt.

 

Für Afrikas Künstler, deren Werke bevorzugt den normalen Lebensalltag in ihrer Heimat darstellen, gehören Krankheit und ärztliche Heilkunst denn auch zum Motivspektrum dazu. Dass das Thema dabei nicht nur sehr offen und direkt angegangen wird, sondern auch mit viel Ironie und Humor, zeigt jetzt eine Ausstellung in der Galerie ZAK (Königstraße 132), die unter dem Titel „Medizin in der zeitgenössischen afrikanischen Kunst“ Arbeiten von acht Künstlern aus verschiedenen Ländern des schwarzen Kontinents versammelt.

 

Am krassesten dokumentieren den Unterschied zwischen westlicher Diskretion und afrikanischer Unbefangenheit die frech-witzigen Schilderbilder des im Benin lebenden Diané. Da werben ein Bewegungstherapeut, ein Zahnarzt oder ein Hämorrhoidenspezialist auf drastisch-anschauliche Weise für ihre Heilkünste.

 

Wo viele Menschen des Lesens unkundig sind, ist solche Werbung ein übliches Mittel, um auf medizinische Leistungen aufmerksam zu machen. Diané karikiert seine Protagonisten allerdings, indem er sie als mit Zangen bewaffnete Handwerker darstellt und mit respektlosen Kommentaren verhöhnt. Nicht ganz zum Thema passt ein Holzschild, das rassistisches Nazi-Gebaren gegenüber den Schwarzen persifliert. Aber letztlich kann man wohl auch den Rassismus als Krankheit betrachten.

 

Dem Thema Aids, auch in Afrika trotz oder gerade wegen der alarmierend großen Verbreitung offiziell eher tabuisiert, widmet sich Lemming Munyoro mit plakativer Direktheit. Das männliche Glied verwandelt sich in einen angriffslustigen Schlangenkopf und streckt sich lustvoll dem ahnungslosen unschuldigen Mädchen entgegen. Um eine zum Totempfahl erstarrte HIV-Infizierte windet sich eine Schlange als Sinnbild für den todbringenden Virus. In ihrer bunten Stilisierung verkörpern die Bilder aber zugleich auch kraftvolle Lebensfreude. Auf die Rückseite der Leinwände hat Munyoro kleine Geschichten geschrieben, die vom Leichtsinn der schnellen Hingabe erzählen.

Am realistischsten in seiner Malweise ist Peter Martin, der Szenen aus Warte- und Behandlungszimmern zeigt. Menschen, die im kargen, gekachelten Ambiente stehen, auf Operationstischen liegen oder auf dem Dorfplatz an der Impfkampagne teilnehmen. Martin zeigt die improvisierten Verhältnisse, unter denen Medizin in afrikanischen Ländern stattfindet, in de großäugigen Gesichtern seiner Figurenspiegelt sich eine anrührende Hilflosigkeit. Der starke Farbkontrast zwischen klarem Weiß und kräftig bunten Farben gibt den Bildern dabei einen beträchtlichen ästhetischen Reiz.

 

Buntes Chaos

Mit Chéri Samba und George Lilanga sind zwei der renommiertesten afrikanischen Künstler vertreten, die in der ZAK-Galerie beide schon mit Einzelausstellungen zu sehen waren. Lilanga zeigt Hospitalszenen als buntes Chaos, in dem seine typischen comicartigen Figuren mit den langgezogenen Gliedmassen als Ärzte und Patienten durcheinandertoben. Chéri Sambas Bild von einem ausgemergelten Aidskranken, der auf dem Sterbebett liegt und sich darüber grämt, daß sich die Ehefrau nach seinem Tod seines Eigentums bemächtigen könnte, bringt Trauer, Leid und Einsamkeit ebenso zum Ausdruck wie herzlosen Egoismus.

 

Ein witzig-bunter Comicstrip sind dagegen John Kilakas animalische Bildergeschichten von zahnschmerzgeplagten Tieren, die ängstlich auf ihre Behandlung warteten. Ganz wie die Menschen. Eine liebevolle Persiflage, die Kilaka als hervorragenden Maler und feinsinnigen Humoristen ausweist.