ARCHIVE 1999

Das Schloss Burgfarrnbach wurde zwischen 1830 und 1834 nach den Plänen des Königlich Bayerischen Bauinspektors Leonhard Schmidtner erbaut.

 

„Ägypten“

Sayed Amin Fayed

Schloß Burgfarrnbach

Fürth, Bavaria

25.04. – 03.06.1999

 

Press Archive

Fürther Nachrichten, 27.04.1999, REGINA URBAN

 

Zwischen Magie und Moderne

Ausstellungen mit zeitgenössischer Malerei aus Ägypten geben Einblick in eine faszinierende Bilderwelt

 

An drei Orten begegnet man in Fürth derzeit moderner Malerei aus Ägypten. Die reiche Bilderschau wird aus Anlaß des 15jährigen Bestehens des deutschägyptischen Vereins gezeigt (wir berichteten), der alle fünf Jahre zur Feier seines Gründungsdatum auch einen Einblick in das aktuelle Kunstschaffen Ägyptens gewährt.

Ursula und Gerhard Schernig vor zwei Tuschebildern von Hassan Ali Ahmed. Foto: Kögler

 

In Zukunft wird man die Werke aus diesem für viele fremden Kulturraum allerdings häufiger sehen können. Denn Ursula Schernig, die auch die Ausstellungen organisiert hat, hat ihre Galerie am Laubenweg 41 wiedereröffnet und wird sie künftig ausschließlich der „Kunst des Niltals“ vorbehalten. Nachdem die Fürtherin fast ein Jahr zehnt zusammen mit ihrer Familie in Kairo gelebt hat, ist sie zur intimen Kennerin ägyptischer, sudanesischer und nubischer Kunst geworden. Ihr Gespür für Qualität beweist die aktuelle Werkauswahl. Was bis zum 3. Juni am Laubenweg, im Theater und im Schloß zu sehen ist, ist exquisit.

 

Gar nicht „typisch orientalisch“ wirken die Arbeite der beiden nubischen Künstler, die bei Ursula Schernig selbst ausgestellt sind. Die Galeristin bezeichnet sie – zu Recht – als „Meister der Farbe“. Diese Konzentration auf Farbwirkung, die weitgehende Abstraktheit der Werke, in denen überlieferte Symbolik meist nur noch schemenhaft auftaucht, weist auf internationale Einflüsse hin.

 

Trotzdem sind Maltechnik und Thematik vor allem bei Hassaan Ali Ahmed tief in der nubischen Kultur verwurzelt. Genauso wie die Bauern in seiner Heimat ihre Häuser bemalen, trägt auch er die Farbe in Schichten übereinander auf und kratzt danach die untenliegenden Schichten wieder frei. Im Gegensatz zu westlichen Maltraditionen werden dabei auf eine dunkle Grundierung zunehmend helle Farben aufgetragen. Das gibt auch den starken Farben einen pastellartigen, hellen Charakter. Schattenhafte Figuren darin beschwören die Ahnen.

 

Zwei Werke von magischer Ausstrahlung erinnern an die Kirche von Farash, einst das größte christliche Gotteshaus Nubiens, das mit dem gesamten Ort im Nasser-Stausee unterging. Ohne alle gegenständlichen Bezüge, allein durch die subtile Farbgebung, schafft Hassaan Ali Ahmed hier die Illusion eines lichtdurchfluteten Kirchenraums, in dem angedeutete Symbolfiguren die multireligiöse Vergangenheit des nubischen Volkes widerspiegeln.

 

Poesie des Alltags

Leichter, moderner und thematisch weniger der Tradition verhaftet erscheinen die Werke von Hussein Sheriffe. Sie feiern die Poesie des Alltags in knalligen Farben. Das grandiose afrikanische Abendlicht das die Nubier „Monkeylight“ nennen, zeigt er als pralle orangene Fruchtblase. Das „Rubbayat“ – eine Sammlung arabischer Trinklieder – ist bei Hussein Sheriffe ein Fest feuerroter Farbtöne.

 

Seine Affinität zu anderen Kulturen läßt der weltgewandte Künstler, der auch in London und Cambridge studierte, in Bildern wie „Kleine Nachtmusik“ – eine ganz blau gemalte Hommage an die Mozart-Serenade – oder „Erinnerungen an Bruce Chatwin“ erkennen. Dem Spurensucher in der Welt der australischen Aborigines ist ein großes, schillernd buntes Bild gewidmet, dessen Pastellfarben wie durch Wasser hinleuchten. In der Mitte ein Pfad, ein „Traumpfad“.

 

Ganz anders, sehr viel „ägyptischer“ und konkret symbolhafter sind die Werke von Eveline Ashamalla , die im Stadttheater gezeigt werden. Hier gehen Menschen-, Tier- und Pflanzenwelt, Alter und Jugend eine surrealistische Verbindung ein. Ihre Bilder sind bevölkert von Zwitterwesen. Feine Linien umranden die Figuren, was ihnen zusammen mit der karikaturhaften Deformierung etwas Naives und Comicartiges verleiht.

 

Dabei sind ihre Bilder, für die sie bevorzugt Tusche oder Ölkreide verwendet, voller altägyptischer Symbolik, die Eveline Ashamalla mit ihrer Kunst wieder in Erinnerung rufen will. So haben fast alle Figuren Hände mit nur vier Fingern – in Ägypten Hinweis drauf, daß diese Wesen von einer anderen Welt sind. Ihr mit dem internationalen „Faustpreis“ ausgezeichneter „Homunculus“ ist ein in jeder Hinsicht ambivalentes Geschöpf – rätselhaft, anziehend und abschreckend zugleich.

 

Wiederum in eine ganz andere Bilderwelt entführen die Werke des Autodidakten Sayed Amin Fayed im Schloß Burgfarrnbach. Mit seiner eigenwilligen Handschrift schafft er Bilder wie aus Stein gehauen. Eine diffizile Farbgebung verleiht den Figuren scheinbar marmorhafte Materialität. Um sie herum kreisen Farbschraffuren wie Ritzungen, ziehen den Blick soghaft auf das Motiv, das ähnlich wie bei Eveline Ashamalla oft zwitterhaft ist, voller Symbolkraft steckt, aber hier vor allem magische Bedeutung hat.

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