ARCHIVE 1999

Sparkasse Fürth, Kundenhalle, Maxstr. 32, 90762 Fürth, Germany

 

 

Peter König

Sparkasse Fürth

Fürth (Bavaria)

02.12.1999 – 07.01.2000

Press Archive

Fürther Nachrichten, 02.12.1999, MARGIT LANGENBERGER

 

Minotaurus frisst die Jungfrauen
Eros und Tod in kühler Perfektion: Peter Königs Werke aus Schaffensphase seit 1992 in der Maxstraße

Geburt, Tod und Wiedergeburt sind Peter Königs dominante Themen.

Foto: Winckler

 

Wer sich besinnliche Kunst zum schnellen Begreifen zur Adventszeit wünscht, wird bei Peter Königs Gemälden kaum zum Zuge kommen. Düster, fast  schon dämonisch, beim genauen Hinsehen dennoch lebensbejahend präsentiert König eine faszinierende Retrospektive seines künstlerischen Schaffensprozesses von 1992 bis heute unter dem Motto: "Was bleibt, ist der Glaube."

 

Gestern eröffnete in der großen Sparkassenhalle in der Maxstraße die Ausstellung des Nürnberger Malers und Kunstpreisträgers der Nürnberger Nachrichten.

 

Gleich im linken Teil - der so genannten "Sparkassenkapelle", wie ihn Rainer Beck, Professor für Kunstgeschichte in Dresden und ehemaliger Präsident der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, treffend bezeichnete - steht der Betrachter vor drei riesigformatigen Bleistiftarbeiten "Leben und Tod", "Christus und die Pharisäer" und "Ouvertüre". Man spürt die Aura des Urhebers dieser Werke angesichts der großen Lebensthemen angegangen in handwerklicher, fast schon erschreckender und kühl wirkender Perfektion.

 

Im übrigen Raum zeigt der Künstler eine Vielzahl von Kugelschreiberskizzen und kleineren Farbgemälden, die Vorstufen zu den großen Endprodukten darstellen. König schöpft dabei aus dem reichen Angebot mythologischer Themen.

 

Mit vorsichtig angedeuteten Darstellungen gibt er sich nicht ab. Er greift in die Vollen und der realistische Stil, dem er bis heute treu geblieben ist, mag machen Betrachter ob des gewagten Geschlechterkampf-Themas schockieren. Gegen seine neueste Serie "Der Kuss" ist prompt der Vorwurf der Pornografie erhoben worden. "Dann müsste man auch Künstler wie Otto Dix in diese Ecke stellen und sich die Behandlung des Themas in der Bibel genauer ansehen", verteidigt Rainer Beck diese Auffassung.

 

Was hier die Gemüter erhitzt, ist eine Darstellung des Minotaurus, der der Sage nach Jungfrauen und Jünglinge vergewaltigt, bevor er sie auffrisst. König überträgt den mythologischen Geist auf die heutige Zeit; was ihn fasziniert, ist nicht die Gewalt, sondern das Ursymbol der Kraft. Dass man König trotzdem einen Hauch Romantik unterstellen darf, zeigt eine Notiz auf einer Farbskizze: "Das Buch 'Träumender Eros' in die Bibliothek zurückbringen!"