ARCHIVE 1999

Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer.

 

 

„Gedächtnisausstellung“

Charlotte Marr-Schobert

Stadttheater Fürth

Fürth, Bavaria

07.03. – 21.04.1999

Artworks

Charlotte Marr-Schobert

Press Archive

Fürther Nachrichten, 1999, FÜRSTENBERGER

 

Wolkenhimmel einer Meisterin

Gedächtnisausstellung von Charlotte Marr-Schobert im Theater erinnert an eine große Aquarellistin

Landschafts-Aquarell von Charlotte Marr-Schobert. Repro: Fürstenberger

 

Vor gut einem Jahr ist Charlotte Marr-Schobert im Alter von 80 Jahren in Nürnberg gestorben. So ist die Präsentation ihrer Aquarelle im Foyer des Stadttheaters ungeplant zur Gedächtnisausstellung geworden. Da die Künstlerin und Graphikerin in den letzten Jahrzehnten sehr zurückgezogen arbeitete und lebte, kann die Erinnerung an sie jedenfalls für die jüngere Generation zugleich zu einer Neuentdeckung werden.

 

Anzuzeigen sind bewundernswerte Werke, die trotz ihrer Landschaftsmotivik mit den inflationären Übungen gerade der Aquarelltechnik in Volkshochschulkursen wenig gemeinsam haben. Charlotte Marr-Schobert, ausgebildet an der Nürnberger Akademie, hatte es als Aquarellistin – die stets in der Natur arbeitete – zu einer schlicht verblüffenden Meisterschaft gebracht.

 

Da sind einerseits großformatige Landschaften südlicher Provenienz, die das Vorbild der klassischen moderne (besonders des „Blauen Reiters“) verraten und das Motiv mit großer Sensibilität in wunderbar stimmige, leuchtende Farbharmonien übersetzen. Ihr vielleicht Eigenstes gibt die Künstlerin aber in Bildern aus Franken.

 

Obwohl näher am „Gegenstand“ und auf den ersten Blick recht konventionell, gewinnen diese eine überraschende Tiefe und atmosphärische Dichte. Sie werden zu (meist schwermütigen) Seelenlandschaften, die zweifellos viel über das Innenleben der Künstlerin verraten.

 

Offenbar traumwandlerisch sicher im Einsatz ihrer Mittel, gestaltete die Künstlerin hier mit mehreren Farbaufträgen fast undurchdringliche Flächen, arbeitete aber genauso mit lichten Aussparungen – und alles ganz ohne Kitsch und Gefühligkeit. Allein die Wolkenhimmel in den Aquarellen lohnen schon die Ausstellung. Zeitlos.

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