ARCHIVE 2000

Galerie ZAK (1994 – 2002), Königstr. 132, 90762 Fürth, Germany

 

„Das Feuer ist einfach zu groß“

Twins Seven Seven

Galerie ZAK

Fürth, Bavaria

07.04. – 05.10.2000

Press Archive

Fürther Nachrichten, 10.04.2000

 

Twins Seven Sevens großes Feuer

Nichts Zwischenmenschliches ist ihm fremd, wie man sieht. Twins Seven Seven, Maler, Musiker, Tänzer, Politiker und Manager, kommt aus Nigeria. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Kunstszene seines Kontinents, Amsterdam zeigt im Herbst eine große Werkschau.

 

Seine überbordende Fantasie ist derzeit nachzuprüfen in der Galerie für zeitgenössische afrikanische Kunst (ZAK) in der  Königstraße 132. Twins Seven Sevens Werke sind dort bis 5. Oktober unter dem Titel „Das Feuer ist einfach zu groß“ zu sehen; zugleich feiert die Galerie ZAK mit der Ausstellung ihr fünfjähriges Bestehen. Foto: Hans-Joachim Winckler

Press Archive

Fürther Nachrichten, 2000, MARGIT LANGENBERGER

 

Im Zeichen üppiger Kreativität

Die Arbeiten von Twins Seven Seven zum fünfjährigen Bestehen der ZAK-Galerie – Filigrane Bilder

 

Sein Name ist keineswegs ein fantasievolles Künstlerpseudonym. Vielmehr steht Twins Seven Seven für die Tatsache, dass der Yoruba das einzige überlebende Kind von sieben Zwillingspaaren war. Die Yoruba glauben an die Fähigkeit des Individuums, seine Bestimmung durch Willenskraft und korrekte Befolgung der Riten zu beeinflussen. Zwillinge sind Kinder halbgöttlicher Herkunft und bringen der Familie Reichtum und Glück. Dem Glauben nach gebar seine Mutter ihn sieben Mal, bis er schließlich „zum Bleiben überredet werden konnte“.

 

Mit einer Einzelausstellung eines der bekanntesten Vertreter der zeitgenössischen afrikanischen Kunstszene feiert die Fürther Galerie ZAK derzeit ihr fünfjähriges Bestehen. Twins Seven Seven ist  Maler Musiker, Tänzer, Politiker, Unternehmer und – wie schon der Name der Ausstellung, „Das Feuer ist einfach zu groß“, verrät – eine Persönlichkeit von schier unermüdlichem Schaffensdrang.

 

Da der nigerianische Künstler überzeugt ist, dass sich die Geister aller anderen Zwillinge in ihm vereinen, ist es nicht verwunderlich, dass er intensiver lebt und mit nahezu ungebremster Fantasie mehr schafft als gewöhnliche Sterbliche. Alle seine Werke charakterisiert eine detaillierte filigrane Bildersprache.

 

Bis auf einige groß angelegte Tuschezeichnungen auf Leinentuch arbeitet er hauptsächlich mit zwei aufeinander liegenden Sperrholzplatten, wobei die obere Schicht fein figürlich ausgesägt und bemalt wird und somit das Ganze ein wenig an die Ausklappbilder der anatomischen Darstellungen in alten Medizinlexika erinnert.

 

Diese reliefartigen Bildskulpturen erhalten dadurch eine geheimnisvolle Tiefe, aus der dann eine große Anzahl afrikanischer Augen herausblickt. Ein besonders markantes Stück ist Twins Seven Sevens Secret Sex House. Dabei handelt es sich um einen rund drei Meter hohen geschlossenen, rechteckigen, oben verjüngten Kasten, der außen mit Datteln, Palmweinkrügen, Häusern oder Obstschalen bemalt ist. Wer aber den Kopf durch ein Loch steckt, dem offenbaren sich im Inneren erotische Szenen, wie man sie auch in der indischen Tantrakultur vorfindet.

 

Die Kunst des Nigerianers ist geprägt von der afrikanischen Mythologie, wobei er aber viele Fantasiegestalten entworfen hat, die wenig mit der Volkstradition gemein haben. Symbole wie Schildkröten, Fische und Schlangen die häufig in seinen Bildern auftauchen, beziehen sich auf Rituale eines Yoruba-Kults.

 

Daneben gibt es noch eine ganze Reihe Darstellungen mit gynäkologischem Inhalt. Geburtsszenen und blutige Beschneidungsrituale von Frauen deren Ästhetik aber nicht so ganz erkennen lässt, wie der Künstler selbst dazu steht. Das riesige Gemälde eines Fischgottes mit vier Köpfen in Mischtechnik auf Leinwand und ein Fantasievogel mit langem gebogenem Schnabel im bunten Federkleid wirken schon eher ein wenig verspielt.

 

Religiöse Kraft

Twins Seven Seven setzt auf die Kraft des Gebets, seine Handlungen sind stets von Ritualen begleitet. „Wenn ich bisweilen sage: ,Ich bete zu Gott’, so rede ich in Wahrheit mit dem Planeten, mit der Erde. Ich spreche durch den Wind.“ Und wenn er mit seiner Rockband auftritt, beschwört er die Götter und identifiziert sich generell mit Shango, dem Donnergott der Yoruba. Es mag wohl nicht verwundern, dass einer, der 13 Frauen und rund 50 Kinder hat, über sein eigenes Potenzial sagt, dass er bald verrückt werden wurde, wenn er seine Energie in nur eine Sache stecken wurde, das Feuer sei einfach zu groß und die Hitze wäre zur viel für ihn.

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