ARCHIVE 2003

Art-Agency Hammond, Königstr.132, Fürth, Bavaria, 2003

 

 

Helen Efe Doghor-Hötter

Art-Agency Hammond

Fürth, Bavaria

2003

Press Archive

Fürther Nachrichten, 11.04.2003, MATTHIAS BOLL

 

Virtuelles Leben im Schwarzen Kontinent

Bernd Kleine-Gunks Galerie ZAK und seine Sammlung zeitgenössischer afrikanischer Kunst haben Schauplatz und Agentur gewechselt

Kein Grund, die Hände überm Kopf zusammenzuschlagen: Helen Efe Doghor-Hötters Kunst zeigt die Art-Agency Hammond. ZAK zeigt sie nicht mehr. Foto: Winckler

ZAK ist tot. ZAK lebt. Eine der angesehensten Kunst-Adressen Fürths, die Galerie für zeitgenössische afrikanische Kunst, knackig-kurz: ZAK, hat ihre Zelte in der Königstraße abgebrochen; in der Würzburger Straße schlägt sie sie dieser Tage wieder auf. Mit dem Ortswechsel verbunden ist eine völlig neue Präsentation sowie ein Wechsel der Agentur.

 

„Wir müssen uns professioneller präsentieren als bisher“, sagt ZAK-Inhaber Bernd Kleine-Gunk über die Trennung von der Art-Agency Hammond des englisch-deutschen Ehepaares John und Renate Hammond. „Für uns ist das schon traurig“, sagt Hammond, der im kommenden Jahr auf ein Vierteljahrhundert Galeristen-Tätigkeit in Fürth zurückblickt. „Die Galerie ZAK war ein Merkmal in der Innenstadt.“ Man gehe „jetzt einfach verschiedene Wege“, über mehr mag Hammond in dieser Angelegenheit nicht reden.

 

Im 90 Quadratmeter großen Galerie-Raum in der Königstraße residiert auch das Büro seiner Agentur. Dort bleiben Hammonds aller Voraussicht nach bis zum Ablauf des Mietvertrages im Frühjahr 2004. Bis auf weiteres ist hier zwar eine Ausstellung der Nigerianerin Helen Efe Doghor-Hötter zu sehen; diese Schau läuft jedoch nicht mehr unter dem Namen ZAK, sondern unter Hammonds Allein-Regie.

 

Pläne für neue, von Hammond betriebene Kunst-Räumlichkeiten kursieren; auch in Zukunft bleibt der Galerist der Fürther Kunstszene erhalten. Unter anderem kooperiert seine Agentur mit dem Stadttheater, der Sparkasse Fürth sowie dem Klinikum.

 

Internationale Anfragen

Wer die ZAK-Telefonnummer wählt, landet mittlerweile automatisch bei artoz. Lothar Böhms vor zwei Jahren gegründete Kunst-Agentur in der Würzburger Straße 171 hat im Februar im Auftrag Kleine-Gunks die ZAK-Geschäfte übernommen und damit eine der bedeutendsten und größten Sammlungen afrikanischer Gegenwartskunst. Kleine-Gunk, Chefarzt für Gynäkologie in der Euromed-Clinik, verfügt über mehr als 1000 Exponate. Sie befinden sich zum Teil im Privatbesitz, teils im Depot in der Königstraße, teils sind sie unterwegs im Rahmen von Afrika-Ausstellungen. Darüber hinaus gab und gibt es zahlreiche internationale Anfragen.

 

Das Licht der Kunst-Welt erblickte die Fürther ZAK-Galerie im Mai 1995. Zuvor war Kleine-Gunk in Essen tätig, wegen des Umzugs nach Franken hatte er dort seine Galerie aufgegeben. Während eines längeren, beruflich bedingten Aufenthaltes in Afrika entdeckte er seine Liebe zu den Kunststilen des Kontinents. ZAK organisierte jährlich vier Vernissagen, von Fürth aus wurden Künstler wie der Nigerianer Twins Seven Seven einem europäischen Publikum bekannt. 2003 ist die Sammlung des Arztes nach wie vor konkurrenzlos. „Inzwischen aber müssen wir diese Kunst anders vermitteln. „die zunehmende internationale Vernetzung und neue Zielgruppen erforderten unter anderem einen professionellen Internet-Auftritt.

 

Beim von artoz organisierten Kunstfestival „Europa in Fürth“ im vergangenen Herbst kamen sich Sammler und Agentur näher. Kleine-Gunk über Böhm: „Ich dachte mir, Mensch, der Junge macht ja richtig was los.“ „Der Junge“ Lothar Böhm halbwegs bescheiden: „Wir sind noch dabei, uns in die afrikanische Kunst einzuleben. In den nächsten ein, zwei Monaten ist für uns noch Lernen und Fühlen angesagt.“ Für artoz ist die Übernahme der ZAK-Geschäfte ein Schritt hinein in den internationalen Kunstmarkt.

 

Beim etablierten Namen ZAK wird es auf jeden Fall bleiben. Neben dem Internet-Auftritt www.zak-galerie.de an dem der Web-Designer derzeit noch tüftelt und der bis Ende des Monats fertig sein soll, wurde in den artoz-Räumen ein so genanntes Afrika-Zimmer auf die Beine gestellt. Eine Visitenkarte, ein Anlaufpunkt. Ähnlich dem Schauplatz Königstraße soll hier Interessierten eine erste Begegnung mit der Kunst des schwarzen Kontinents möglich sein – allerdings mit innovativen Konzepten.

 

Böhm: „Der Kreis der Insider kommt auch in dein Wohnzimmer, wenn es sein muss. Ich aber stelle mir die Frage: Wie kriege ich ein neues Publikum? Ich interessiere mich nicht für einen Raum voller Erwartungshaltungen, der nur die Szene anlockt.“

 

Gute Beratung, guter Kaffee, eine große Portion Ruhe sind Böhms („Ich wollte nie in meinem Leben Kunst verchecken“) Stichworte. „Ein Klima schaffen für die Materie“ will artoz, weg vom „Hemmschwellencharakter“ (Böhm) herkömmlicher Galerie-Räume; dazu gehört, dass mittel- bis längerfristig sämtliche Exponate der Sammlung Kleine-Gunk mittels Diaprojektor vorzeigbar sein sollen, Der atroz-Macher: „Die Zeiten sind definitiv vorbei, in denen man sagen konnte, ich warte mal in einem Raum, bis endlich jemand vorbeikommt und meine Kunst anschaut.“