ARCHIVE 2004

Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer.

 

In bester Gesellschaft"


Marlis Albrecht & Rosa Baum


Stadttheater Fürth

 

Fürth, Bavaria


05.12.2004 – 25.01.2005


Press Archive

Fürther Nachrichten, 2004, CLAUDIA SCHULLER

 

Der scharfe Blick auf die feine Gesellschaft

Die Künstlerinnen Marlis Albrecht und Rosa Baum zeigen ihre Gemälde von Mensch und Tier im Stadttheater

 

Keine Hintergründe, keine Szenerie: Pur und unverstellt präsentieren die Malerinnen Marlis Albrecht und Rosa Baum ihre Protagonisten derzeit im Stadttheater in der Ausstellung „In bester Gesellschaft“. In Filmsprache übersetzt: Sie zoomen das Leben heran. Nur, dass Albrecht Menschen und ihre Beziehungen malerisch untersucht, während Baum Tiere mit ins Boot nimmt.

Sie haben kleine Knopfaugen, lange Nasen und meist rote Flecken auf den Wangen. Und irgendwie sind sie sehr musikalisch, die Menschen, die Marlis Albrecht genauer betrachtet. Sie stellt mit Rosa Baum derzeit ihre Werke aus. Foto: Kögler

An archaische Höhlenmalerei erinnern ihre Wesen. Naturfarben, längliche Köpfe und Körper. Bewusste Schlichtheit. Die Stiere, Ziegen, Katzen sind einfach da, massiv und sicher, ganz so, wie Tiere die Menschen durch ihre ungeheure, unbewusste Präsenz beeindrucken, beruhigen und zugleich verunsichern. Das Expressive ist wohl dosiert, vermittelt sich aber deutlich durch die Pinselführung. Stimmige, kraftvolle und begabte Arbeiten.

 

Virtuose Technik

Albrecht kommt eher heiter-ironisch daher, allerdings ohne Bösartigkeit. Sie liebt diese Geschöpfe, die sie in ungewöhnlicher, virtuoser Wachs-Tempera-Technik gemalt, aufgetragen, eingekratzt, freigelegt hat. Perfekt zum Theater-Foyer passend geht es oft um Menschen, die im künstlerischen Ausdruck begriffen sind: Geiger, ein Tango-Tanzpaar, ein „Duo mit Hörnern“, eine Familie, die sich zu einer Art Chorgesang versammelt hat, ohne die internen Verknüpfungen und Brüche zu verheimlichen. Eine Szene die man zu kennen glaubt und an der man sich nicht sattsehen kann.

 

Ob es an den Engeln liegt, die sanft ironisch und leicht verschlafen über allem wachen, Schutzgeister, wie alle Menschen sie brauchen? Tritt man näher und untersucht die Machart der Arbeit, kann man über tausend Kniffe und Feinheiten, über die bunten Farben und ihre Schichtungen staunen. Die Köpfe gestaltet Albrecht mit einem Schuss Amadeo Modigliani, gerade bei den Damen, die Körper teils lang und gebogen wie bei Giacometti. Das Spektrum menschlicher Verhaltensweisen ist weit und Albrecht gelingt das Kunststück, das Wichtigste einzufangen. Eine Künstlerin, die man im Auge behalten sollte und die neue Glanzpunkte im Stadttheater setzt.

 

Er hatte die bessere Joe-Cocker-Stimme, schrieb aber seine Lieder selbst: Kevin Coyne der letzte Woche im Alter von 60 Jahren verstarb. Ja er malte auch. Und wie. Die Werke des Nürnberger Künstlers, der sich standhaft: weigerte. Deutsch zu lernen, könnten zweidimensionale Ken-Loach-Filme sein, so anrührend und dramatisch und zum Weinen schön-derb.

 

Wer hätte gedacht, dass Coyne im Stadttheater seinen letzten Ausstellungsraum finden würde, denn seine Werkschau war die vor Baum und Albrecht. Nun ist eine Gedächtnisausstellung im zweiten Foyer daraus geworden, voller Krokodile, Kriegsvögel, gebeutelter Männer im Clinch mit sich und der Welt. Jedes Bild erzählt eine alltägliche, etwas traurige Geschichte, voll Liebesleid, psychischem Konflikt. Verletzungen, Politik. Diesen furiosen, comic-haften Stil hatte nur einer drauf. Unglaublich, unwiederbringlich unverzichtbar.

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