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„spiel-konkret“, Gerhard Hotter, Sparkasse Fürth, 28.10. – 18.11.2004

Fürther Nachrichten, 2004, SIGRUN ARENZ

 

Mathematische Formeln als Spiel in der konkreten Kunst

Gerhard Hotter stellt Arbeiten aus seinem zwanzigjährigen Schaffen in der Sparkasse Fürth aus

Formen, die sich aus Formeln ergeben: Gerhard Hotter vor einem Bild. Foto: Scherer

Zwischen Mythos und Mathematik bewegt sich der Besucher in der Ausstellung „spiel-konkret“, in der Gerhard Hotter seine Werke in der Sparkasse Fürth präsentiert.

 

Der 1954 in Nürnberg geborene freischaffende Künstler Gerhard Hotter zeigt Werke aus zwanzigjähriger Arbeit, die seinen Weg von der gegenständlichen zur konkreten Kunst dokumentieren. Spiel ist das beherrschende Thema, das sich durch die Werke zieht Spielelemente, Bausteine, Bauspiele.

 

Dabei ist das Spiel da, wo es am sichtbarsten zum Thema wird, in den früheren Blei- und Farbstiftzeichnungen, gleichzeitig am stärksten aus dem Mittelpunkt gedrängt. Die „Spielunterbrechung“ im gleichnamigen Bild ist in einem auseinander gerissenen Schachbrett verwirklicht; Spielkarten, die einzigen Farbflecke im steingrauen Bild, befinden sich im Fall, ein Spiel auch zwischen Dynamik und Statik, zwischen harmonischer Bildgestaltung und gebrochenem Inhalt.

 

In den späteren Bildern werden die Spiel- zu Bausteinen, zu Elementen, die Bilder bauen, zu winzigen geometrischen Figuren in einem bestimmten Farbspektrum, und einen Schritt weiter zu einer Zusammensetzung aus Pixeln, den Bausteinen einer neuen, digitalen Wirklichkeit.

 

Die neuesten Werke, mit starken farblichen Kontrasten, lassen noch immer auf den ersten Blick Bauelemente erkennen, beziehen sich aber auch inhaltlich auf Spielbausteine, indem sie ein mathematisches Problem von Farbreihen aufnehmen und exakt, aber noch einmal gedreht wiedergeben.

 

Die Werkeinführung Arnulf von Ullmanns vom Germanischen Nationalmuseum forderte die Besucher auf, die Wirklichkeit am Bild zu überprüfen, gab aber auch Orientierungshilfe für den Weg in und durch die Bilderwelt des Konkreten.

 

Wie als Gegengewicht zu den mathematischen Ansprüchen öffneten Chansonette Cordula Wirkner und Klaus Gramß am Klavier im Einführungsteil das Schatzkästchen von rassig-melancholischem Jazz; und feurigen oder schmelzenden Chansons. Ein besonderer Genuss war das Lied von Odysseus und Circe, das mit frechem Charme den Mythos von der Zauberin und dem Abenteurer nacherzählt und dabei durch unglaublich komische Gestik und mehr noch durch seine absurden, sprachwitzigen Reime begeisterte.