ARCHIVE 2004

„Pforten der Wahrnehmung“

 

Chistian Oberlander

 

Sparkasse Fürth

 

Fürth, Bavaria


05.07. - 30.07.2004

Fürther Nachrichten, 15.07.2004, SIGRUN ARENZ

 

Die Unerschöpflichkeit der Dinge

Hammond zeigt Christian Oberlanders stille Naturfotografien in der Maxstraße

Auf Entdeckungsreisen: Romantisch eingefärbte Idyllen haben in den digital bearbeiteten Fotografien des Fürther Künstlers Christian Oberlander keinen Platz. Foto: Mario Kreß

 

>>Wären die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene jedes Ding wie es wirklich ist – unerschöpflich<<, formulierte der englische Dichter William Blake. Dieses Motto machte sich der Fürther freischaffende Künstler, Sozialpädagoge und Aikidolehrer Christian Oberlander für seine Naturfotografien zu Eigen, die derzeit in der neu gestalteten Kundenhalle der SparkasseMaxstraße zu betrachten sind.

 

Natur mit den Mitteln modernster digitaler Fotografietechnik abgebildet – diese Synthese wirkt bei Oberlander, weil sie in jeder Hinsicht weitestgehend unaffektiert bleibt. Farbliche Spezialeffekte, die einen mystischen goldenen Glanz über ein Waldstück legen, kommen wohl vor, werden aber mit leichter Hand und vor allem sparsam eingesetzt.

 

Kitsch romantisch eingefärbter Idyllen hat in diesen stillen Naturbildern ebenso wenig Platz wie der weniger offensichtliche Kitsch großartiger, ferner Landschaften mit entrückten Gebirgszügen oder fantastischen ausblicken. Oberlanders fotografische Entdeckungsreisen führen in nahe Waldstücke und Wasserläufe und tragen prosaische Titel wie >>Altdorf<< oder >>Schniegling<<; dafür sind sie von einer gewissen unaufdringlichen Tiefgründigkeit, die vor allem von der Spannung zwischen Vorder- und Hintergrund lebt. Exemplarisch in der Aufnahme eines flachen, klaren Wassers, in dem Bachgrund, bewegte Wasseroberfläche und der Lichtschein darauf in sich überlagernden Mustern zu sehen sind.

 

Korkweidenzweige

Um die Pforten der Wahrnehmung zu reinigen, die Beziehung etwa zwischen einem Geflecht von Korkweidenzweigen im Vordergrund und dem dahinter in den Zwischenräumen eher zu erahnenden Rest des Waldes zu ziehen, war die groß angelegte, gut besuchte Eröffnungsveranstaltung allerdings kaum der rechte Zeitpunkt. Zu dominant der Rahmen der in großem Stil aufgezogenen Vernissage in der neuen Kundenhalle der Sparkasse, deren Renovierung Direktor Rainer Heller in seiner Eröffnungsrede gleich zusammen mit Anspruch, Politik und Konzeption der Sparkassen zum Thema machte.

 

Professor Rudolf Lindenmann von der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg liess die Laudatio auf den Künstler zu einem historisch-kritischen Gewaltritt durch die Geschichte der Fotografie und den Diskurs über Sinn und Unsinn von Reisefotografie und Erinnerungskonservierung werden, der in einem anderen Rahmen durchaus interessant hätte sein können.

 

Die Beiträge der renommierten Nürnberger Harfenistin Lilo Kraus, die den Abend musikalische untermalen sollte, gingen zuerst im Stemmengewirr und später im Gläserklirren von der Theke weitgehend unter – bedauerlicherweise hatten sie doch eigentlich gut in das Konzept der >>Pforten der Wahrnehmung<< gepasst.