ARCHIVE 2005

Exhibitions 2005    Artists A - Z   

Meinhard Elß (1949  - 2014)    Hartmut Kuhnke    Günter Reinl (1944 - 2014)    Hildegard Schuhmann    Heinz Wenig

Das Klinikum der Stadt Fürth wurde im Jahre 1931 als Städtisches Krankenhaus eröffnet.

 

 

„Tierisch“

Klinikum Fürth

Fürth (Bavaria)

15.04. – 15.07.2005

Vernissage: 15.04.2005

Fotografie

von Günter Reinl und Hildegard Schuhmann im II. Stock

Malerei

von Hartmut Kuhnke, Meinhard Elss und Heinz Wenig im III. Stock

Press Archive

Fürther Nachrichten, 18.05.2005, CLAUDIA SCHULLER

 

Der Muskel-Kater lässt den Bizeps spielen

Fotografien, Cartoons und Schüler-Kunstwerke zu einem tierischen Thema im Hauptgebäude des Klinikums

Reichlich zugelangt im Farbtopf hat der Forchheimer Maler Heinz Wenig. Seine Großformate in Öl zeigen fotografisch beobachtete Tiere in dräuender Unruhe. Repro: Thomas Scherer

Das beliebteste Haustier der Deutschen ist nicht etwa der Hund und auch nicht die Katze. Es ist der Fisch. Rund 30 Millionen Zierfische schwimmen in hiesigen Aquarien. Vielleicht sind sie deshalb so beliebt, weil sie weder bellen, wenn das Telefon klingelt, noch nachts im Bett stören. Die Fürther Hauptschüler, deren Werke im ersten Stock des Klinikums zu sehen sind, haben dennoch lieber die schmusigen Hausgenossen oder afrikanisches Großwild gestaltet. Sie machten den Anfang, als John Hammonds Art Agency ihre aktuelle Ausstellung „Tierisch“ konzipierte.

 

Bankräuber

Von der witzigen Seite geht Meinhard Elß mit seinen Katzen-Cartoons das Thema an. Die Tiere stellen wie in Ratespielen je einen Begriff dar. Da ist der „Muskel-Kater“, der seinen wohlgerundeten Bizeps spielen lässt, aber auch die „Raub-Katze“ in bankräuberischer Aktion, das „Kater-Pult“, mit dem eine Mieze eine andere in den Himmel schießt, die durchgeknallte „Kami-Katze“ und der charmante „Elia Katzan“.

 

Vier Tafeln mit je neun flotten, hochwertigen Tuschezeichnungen hat der ehemalige Kunstförderpreisträger der Stadt Fürth beigesteuert, die auf jeden Fall über die Lachmuskeln den Genesungsprozess der Patienten beschleunigen dürften. Kennt man Elß sonst ernsthafter, etwa von Aktionen auf dem Reichsparteigelände im Rahmen von „Faszination und Gewalt“, wo er die Schau im Goldenen Saal gestaltete, so lebt der Nürnberger Künstler hier voll seine unbeschwerte Seite aus. Kein Kind, das diese Comics nicht gerne im Zimmer hängen hätte.

 

Die Samtpfoten beschäftigen auch Hartmut Kuhnke, allerdings in der Variante des Holzschnitts, den einst Dürer und Cranach zur Vollendung brachten. In der Technik, eine Zeichnung in eine Holzplatte einzuschneiden, so eine Druckform herzustellen und dann Drucke abzuziehen, hat der Windsbacher auch Elefanten, Hunde, Eisbären u nd Krähen gestaltet. Mit der sparsamen Farbgebung setzt Kuhnke bewusst Akzent und unterstreicht seine meisterliche Beherrschung eines der ältesten Verfahren der Menschheit, Bildvorstellungen festzuhalten.

 

Auf dem Sprung

Heinz Wenig dagegen setzt auf expressive Farben und einen manchmal fast fotografischen Stil, wenn er in Acryl, Öl, als Radierung oder mit Bleistift seine tierischen Freunde festhält. Wildes wie Wölfe, Luchse, Wider, Geparde und Elche erobert bei ihm großformatig und bunt die Leinwand. Die Geschöpfe des Forchheimers sind immer auf dem Sprung, mitten in der Bewegung.

 

Auf der Erde gibt es sechs Milliarden Menschen, aber über zehn Trilliarden Ameisen. Eine Ameise wiegt durchschnittlich ein bis fünf Gramm. Würde man eine Riesenwaage nehmen und in die eine Schale all Alle Ameisen setzen, in die andere alle Menschen, wäre das Ganze im Gleichgewicht. Die flinken Kerlchen erreichen also durchaus Menschenformat Eine derart selbstkritische, ironische Sicht der Dinge vertreten auch die Fotografen Günter Reinl und Hildegard Schumann, die das menschliche im Tier, den individuellen Charakter betonen und offenbar jede Menge Spaß an ihrem Beruf haben. Manch ein Vierbeiner lacht, andere kommunizieren wie Menschen miteinander und kriegen prompt die selben Probleme. Der Rest sind einfach gute Fotos von Affen, Bären und Vögel.

 

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