ARCHIVE  2009

Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer. © John Hammond

 

 

Fatma Güdü, Michael Hottner, Kai Klahre

 

Stadttheater Fürth

Fürth (Bavaria)

 

23.03. - 13.05.2009

Invitation Archive

Press

Fürther Nachrichten, 23.03.2009, MARION REINHARDT

 

Das Un(t)ergründliche

Hammond zeigt drei Künstler der Klasse Hartmann

 

Sie sind jung, sie malen, sie haben sich alle in der Klasse von Professor Thomas Hartmann an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg zusammengefunden - und sie sind gut. Doch damit hat es sich auch schon an Gemeinsamkeiten der drei Künstler Fatma Güdü, Michael Hottner und Kai Klahre, die im Stadttheater eine sehr facettenreiche Ausstellung bestreiten.

enseits aller Oberflächlichkeit: Fatma Güdü und die beiden Akademie-Meisterschüler Michael Hottner (Mitte) und Kai Klahre zeigen ihre Arbeiten im Foyer des Stadttheaters. © Thomas Scherer

Jeder geht hier auf seine ganz spezielle Weise ans Werk. Fatma Güdü arbeitet großflächig und großformatig und spielt dabei gerne mit der Wirkung des rohen Untergrundes, der häufig eine Press- oder Grobspanplatte ist. Ihr Thema sind Menschen. Bei Kai Klahre - neben zahlreichen Bildern, die den Wald als Thema haben - zwar auch, doch fällt in seiner Darstellung von Menschen sofort die eigensinnige malerische Behandlung des Fleisches der Körper auf. Die evozierten Stimmungen sind beunruhigend.

Michael Hottners Arbeiten dagegen wirken, zumindest oberflächlich betrachtet, vergleichsweise heiter. Er setzt auf die Wirkung lasierender Farbschichten mit durchschimmernder Zeichnung, so auch bei der großformatigen Landschaft «Sark«. Zwar sieht man hier die typische Postkartenansicht mit der sich dynamisch über die zerklüfteten Felsen schwingenden Straße, doch die grundgute Stimmung trügt. Zwar ist der Himmel in ein wunderbares, warmes Licht getaucht, das verlockend leuchtet, aber die dunklen, schroffen Felsen wirken bedrohlich; der Mensch, der die Straße entlang schreitet, ist einsam.

Ganz anders Hottners Selbstportrait. Mit Lila- und Gelbtönen hat der junge Künstler sein Konterfei unglaublich plastisch modelliert. Fast wirkt es wie ein Hologramm. Auch hier, wie auf vielen anderen seiner Arbeiten, tauchen grelle Streifen auf, die laut Hottner metaphorisch als «Fühler« zu verstehen sind. Michael Hottner, Jahrgang 1980, studierte Freie Malerei bei Christine Colditz und Thomas Hartmann, bei dem er 2008 Meisterschüler war. Für dieses Jahr hat er das Stipendium «Cité des Arts« in Paris erhalten.

Jagende Bestie
Den Atem verschlägt es einem beinahe bei zwei Arbeiten von Kai Klahre. Dargestellt sind Menschen in beklemmenden Situationen, Szenen wie aus einem Thriller. Das eine zeigt einen am Boden, in einer dreckigen Pfütze liegenden Menschen. Ein Hund, eine Bestie, jagt ihn. Rundum alles weiß wie Schnee, aber schmutzig. Wie dieser Körper da liegt, Ellbogen, Knie und Knöchel rot von den eisigen Temperaturen und aufgeschürft vom Sturz, wirkt er völlig schutzlos. Das Tier wird gleich über ihn herfallen und ihn zerfleischen... Eigentlich möchte man wegschauen, doch wie Klahre die Stofflichkeit dieses geschundenen Körpers malerisch umsetzt, fesselt und erinnert stark an die große Kunst der barocken Meister. Auch Klahres kleine Plastiken sind meisterhaft. Der Künstler wurde 1981 geboren und erhielt 2007 das Oskar-Forster-Stipendium. Seit diesem Jahr ist er Meisterschüler bei Hartmann.

Fatma Güdü skizziert im Gegensatz zu ihrem Kollegen ihre Figuren grob und flüchtig. Die Künstlerin, Jahrgang 1983, lebt in Fürth und studiert seit 2006 Freie Malerei. Mit wenigen Pinselstrichen charakterisiert sie das Gesicht einer Frau. Nur die Köpfe der Personen sind auch bei einem anderen Bild der jungen Malerin ausgearbeitet, die Körper und der Hintergrund verschwinden in finsterem Schwarz. Alles konzentriert sich auf die Gesichter, die großen Schmerz ausdrücken. Packend!