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„Annäherungen – Die Welten der anderen“, Silke Mathé, Stadttheater Fürth, 17.05. – 05.07.2009

Fürther Nachrichten, 20.05.09, MARION REINHARDT

 

Fremde Lebenswelten

«Annäherungen» von Silke Mathé im Fürther Theater

 

Unter dem Titel «Annäherungen  - Die Welten der Anderen» präsentiert Art Agency Hammond im Foyer des Stadttheaters Gemälde von Silke Mathè. Ihr großes Thema ist das Portrait, von der Ganzkörperdarstellung mit landschaftlichem Hintergrund bis hin zur Nahaufnahme von Gesichtern.

Die Nürnberger Künstlerin zusammen mit dem Fürther Galeristen John Hammond bei der Vernissage. Foto: Horst Linke

Die Portraitierten blicken den Betrachter direkt, fast starr, aus großen Augen an oder ihr Blick hängt in der Luft und ist nach innen gekehrt. Doch sie zeigen keine Mimik, keine Regung, aus der der Betrachter etwas ablesen könnte. Die Figuren haben etwas statisches. Oft stellt die Malerin sie vor einer Landschaft dar, doch sie haben keinen Bezug dazu. Sie scheinen wie mitten in eine Kulisse hineingestellt.

 

Film läuft ab

Diese Bilder irritieren, aber zugleich ziehen sie auch an. Und sie werfen viele Fragen auf. Arbeiten wie «Antonia» (2009) setzen im Kopf des Betrachters unweigerlich einen Film in Gang. Eine Frau sitzt an einem Tisch, den Blick ins Leere gerichtet, ausdruckslos. Ihre Hände liegen ruhig im Schoß. Neben ihr, auf der gemusterten Tischdecke liegt eine Pistole. Was soll die Waffe auf dem Tisch? Was hat die Frau damit vor? Und was spielt sich in ihrem Kopf ab?

 

Silke Mathé gibt keine Antworten. Auf den ersten Blick malt sie naturalistische Momentaufnahmen. Doch man ahnt eine tiefere Ebene. Unter der Oberfläche spielt sich etwas ab, Stimmungen klingen an. Bestimmte Personen, Bekannte oder Fremde, wecken das Interesse der Künstlerin.

 

Diese Menschen müssen nicht gut aussehen - es ist etwas anderes, worauf es Silke Mathé ankommt: «Das Innere interessiert mich», so die Künstlerin. Wenn die Personen ihr Modell stehen, ist es beinahe «wie eine Analyse, aber ganz unbeabsichtigt», versucht sie zu erklären.

 

Ganz ungeschminkt

Mit dem Auge und dem Pinsel sucht sie nach dem, was sich hinter der Fassade verbirgt, versucht eine Annäherung an die Welten der Anderen. Und so stellt sie ihre Figuren auch ganz ungeschminkt dar. Sie lächeln nicht, wie fürs Foto und sie sind auch nicht zurechtgemacht. Mathé zeigt sie in ihrer ganz alltäglichen Erscheinung. Ganz extrem bei «Emese mit Putzeimer» (1998), wo die Portraitierte in weißer Unterhose und Top und mit Badelatschen auf einem Liegestuhl fläzt.

 

Die ausgestellten Arbeiten decken einen Zeitraum von zehn Jahren ab. Sie verdeutlichen auch die Entwicklung von einer sehr bewegten, lebendigen Pinselführung hin zu einem ruhigeren Gestus, zu mehr Flächigkeit. Gemeinsam ist ihnen die kräftige Farbigkeit und ein besonderes Gespür für Lichtstimmungen, sei es eine erbarmungslos strahlende Sonne oder skandinavisch klarer Himmel. 1995 bis 2001 studierte Mathé an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Johannes Grützke, dessen Meisterschülerin sie war. 2007 erhielt sie den zweiten Preis beim Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten. Die Künstlerin lebt seit 1988 in Nürnberg.