ARCHIVE

 „VOID II - Architektur der Leere“

Dagmar Tränkle

Sparkasse Fürth, Bavaria

12.03. – 03.04.2009

Fürther Nachrichten, 13.03.2009, MARION REINHARDT

 

An den Orten des Verschwindens

Auf Spurensuche: Fotografien der gebürtigen Roßtalerin Dagmar Tränkle

Stille und Atmosphäre menschenleerer Schauplätze ziehen Dagmar Tränkle magisch an. Foto: Thomas Scherer

 

Es klingt paradox, doch die Anwesenheit des Menschen in seiner Abwesenheit ist genau das, was Dagmar Tränkle in ihrer künstlerischen Arbeit aufspürt. Es bleiben die Spuren, die er zurücklässt und die Leere darin. Tränkles erstklassige Fotografien stellt John Hammonds Art-Agency seit gestern unter dem Titel «void II – architektur der leere« in der Kundenhalle der Sparkasse in der Maxstraße aus.

 

Es ist zunächst die Weite der Landschaft, die einen gefangen nimmt. Tiefe Horizonte, unendlicher Himmel. Oder die Leere von verfallender Architektur. Bröckelnde Mauern, Überreste der Zivilisation. Doch eigentlich ist es die Stille, die man spürt. Dagmar Tränkle hat sie im Bild festgehalten.

 

Sie möchte die Orte in jener Phase zeigen, da sie allmählich wieder in die Umgebung zurücksinken, sich in einem «Zustand des Ausatmens« befinden, erklärt die Künstlerin. Und den kann man tatsächlich fühlen, wenn man die großformatigen Arbeiten betrachtet. Die 2008 entstandene Serie «Kaserne Dallgow« etwa zeigt so einen «Ort des Verschwindens und der Wandlung«. Die Betonfläche zwischen den verlassenen Kasernengebäuden verschwindet allmählich im sich ausbreitenden Gras.

 

Die Innenaufnahme eines heruntergekommenen Raumes zeigt eine alte Matratze und einen kaputten Stuhl, zwei Relikte, Hinterlassenschaften der Menschen, die die Kaserne bewohnten. «Was bleibt an Spuren?« ist eine Frage, die sich Dagmar Tränkle stellt. Diese Überbleibsel machen Geschichte spürbar.

 

Verwischende Schemen

Auch ihre Orte am Meer zeigen eine Phase des Übergangs, hier als Wandlung im Rhythmus der Gezeiten. «Rerik I (Strand VIII)« hat die Fotografin als Diptychon angelegt. Eine lange Belichtungszeit hat den Strand gewissermaßen «weichgespült« - ein ständiger Übergang von Verfall und Auferstehung. Exemplarisch für die Spurensuche Dagmar Tränkles könnte «Rerik III (Strand X)« stehen, denn in diesem Bild hält sie die Menschen am Strand nur noch als verwischende Schemen fest; flüchtige Spuren, die nicht von Dauer sind.

 

Die Künstlerin, Jahrgang 1966 und aufgewachsen in Roßtal, ist freie Lektorin und freischaffende Künstlerin in Berlin. Seit sechs Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit der Fotografie, studierte unter anderem bei Harald Mante, Arno Fischer und Katharina Sieverding.

 

Wenn Dagmar Tränkle fotografiert, digital und analog – beides steht bei ihr gleichberechtigt nebeneinander – dann müssen ihre Bilder anfangs «reifen«. Erst später sichtet sie ihr Rohmaterial. In aufwändigen Arbeitsprozessen mit zahlreichen Zwischenschritten, Digitalisierung und Druck, bis hin zu Handabzügen, setzt sie ihre Bildidee schließlich um. Die Fotografie «Spitzbergen/Colesbukta I« mit zwei rostigen, gestrandeten Kähnen hat sie so lange bearbeitet, bis sie vollkommen grafisch wirkt.

 

Eine unbedingt sehenswerte Ausstellung.