ARCHIVE 2006

Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer.

„Inszeniert“

 

Sabine Härting


Stadttheater Fürth

 

Fürth, Bavaria


19.11. 2006 – 16.01.2007

Fürther Nachrichten, 2006, SABINE REMPE

 

Die Leidenschaft von Sabine Härting ist groß. Das darf jetzt mal ganz wörtlich verstanden werden. Denn die Frau, die am Mittwoch mit dem Kulturförderpreis für Malerei ausgezeichnet wird, liebt es großformatig. Ihre Bilder sind wahrhaftig keine Miniaturen. Die Besucher ihrer Ausstellung „Inszeniert“ im Stadttheater werden raumfüllenden Arbeiten gegenüberstehen, die ganz mühelos die Aufmerksamkeit absorbieren. „So ab ein Meter fünfzig aufwärts“ fängt für die 31-Jährige das richtige Maß an. Und dafür gibt es einen guten Grund. Die Preisträgerin ist eben nicht nur Kunst-, sondern auch Theatermalerin. Ihre Ausbildung hat sie in Dresden absolviert. Die dortige Hochschule bietet als einzige in Europa den Studiengang Theatermalerei an, und noch immer ist Sabine Härting froh, dass sie einen der jeweils sieben begehrten Plätze erringen konnte.

Kunst- und Theatermalerin Sabine Härting betont in ihren weiblichen Akten das Selbstbewusstsein der abgebildeten Frauen. In Vach hat sie einem Kirchweih-Festzelt den für sie typischen Anstrich gegeben. Foto: Hans-Joachim Winckler

Geboren in Schleswig und aufgewachsen in Bayern, wurde sie zunächst Goldschmiedin. Sie interessierte sich aber auch für Kommunikationsdesign, lernte die Arbeit in Werbestudios kennen, sah sich bei Fotografen um und „blühte plötzlich auf“, als sie bei einem Praktikum hinter die Kulissen eines Theaters schauen durfte.

 

„Das war eine andere Welt, aufregend wie ein Schlaraffenland“, schwärmt sie noch immer. Sie „probierte, experimentierte mit Materialien und Farben in Zehn-Liter-Eimern“ und hatte ihren Traumberuf gefunden. Die Studienjahre hat sie „einfach nur geliebt“, aber dann „kommst du eben irgendwann aus dieser schönen Welt heraus und muss allein für dich stehen“.

 

Zeit für ein Käffchen

Sie beteiligte sich unter anderem an Kunstprojekten, arbeitete mit am Bühnenbild für die Nibelungenfestspiele in Worms, wurde Theatermalerin am Landestheater Thüringen und genoss die vielen Kontakte („Irgendjemand hatte immer Zeit für ein Käffchen“), die diese Aufgaben mit sich brachten. Doch dann beschloss sie, ihren „Traum von der Selbstständigkeit“ wahr zu machen. Wieder eine neue Erfahrung für die Frau mit den taillenlangen Haaren, die ihrem Freund vor anderthalb Jahren nach Fürth folgte: „Jetzt bin ich ganz allein im Atelier.“

 

Ihre erste Arbeit in dieser Stadt ist, wie könnte es anders sein, von Format. Fünf mal 14 Meter ist ihre „Venus von Vach“, die auf einer Wolke ruhende und brezelknabbernd zur Kirchweih-Zeit im Vacher Festzelt garantiert alle Blicke auf sich zieht.

 

Ihre aktuelle Ausstellung, die morgen im Stadttheater eröffnet wird, hat die Künstlerin seit Juli in ihrem Marienstraßen-Atelier intensiv vorbereitet. Sie zeigt Beispiele ihrer Kunst als Theatermalerin, aber dazu vor allem weibliche Akte. „Yvonne II“, zum Beispiel, die lasziv und völlig gelassen auf ihrem Diwan ruht. Oder „Gerlind“, die versunken vor sich hin träumt. Sehr selbstbewusste Frauen sind das, die nicht provozieren, nicht einmal mit dem Betrachter in Kontakt treten. „Die Modelle“, sagt Härting, „sind Freundinnen von mir – aber es steckt auch sehr viel von mir in diesen Arbeiten.“

 

Meist hat sie zunächst Fotos gemacht, die Aufnahmen manchmal am Computer verändert und anschließend nach diesen Vorlagen gemalt. „Ich versuche immer wieder, neue Wege zu gehen“, erklärt sie und freut sich darüber, „wie gut die Bilder jetzt hier hinpassen“. Sie ist einfach begeistert von diesem Ausstellungsort („Ich liebe dieses Theater“) und dankbar, dass John Hammond und seine Art-Agency „so viel Vertrauen in mich gesetzt haben“.

 

Gefühle, die sie auch dem Kulturförderpreis entgegenbringt: „Wenn man frisch hier angekommen ist, rechnet man doch nicht damit“, gesteht sie. „doch jetzt kann ich nur sagen, dass ich glücklich bin und weitermachen werde – denn ich kann mir nicht vorstellen, dass der Drang, zu arbeiten, bei mit jemals aufhören wird.“