ARCHIVE 2006

Sparkasse Fürth, Kundenhalle, Maxstr. 32, 90762 Fürth, Germany

 

 

Eva Hermann

Sparkasse Fürth

Fürth, Bavaria

07.07. – 28.07.2006

Artworks

Eva Hermann

Press Archive

Fürther Nachrichten, 2006, MARION REINHARDT

 

Auf der Suche nach dem Einmaligen

Ausführliche Prozesse der Annäherung: Hammond zeigt Eva Hermanns Skulpturen

Eva Hermann mit der Büste des Schriftstellers Fred Wander. Foto: Hans-Joachim Winckler

 

Sie ist eine Spezialistin auf dem Gebiet des lebendigen Porträts: Bildhauerin Eva Hermann versteht es auf einfühlsame Weise, ihren Skulpturen Leben einzuhauchen. Eine Auswahl ihrer Arbeiten ist derzeit in der Kundenhalle der Sparkasse in der Maxstrasse zu sehen; Porträts in Gips und Bronze – allen voran Ludwig Erhard, dessen markanter Kopf von seinem Standort vor dem Wirtschaftsrathaus bekannt ist – dazu kleine Gipsmodelle und –Reliefs.

 

Um ihre Porträts lebendig werden zu lassen, setzt Eva Hermann nicht nur ihr handwerkliches und künstlerisches Können ein, sondern auch ihre besondere Art, sich eingehend mit ihrem Modell zu beschäftigen.

 

In einem ausführlichen Prozess der Annäherung und des Kennenlernens erfasst ihr Auge sowohl die äußerlichen Besonderheiten wie Physiognomie, Körperhaltung, Blick, aber auch Menschentyp und Lebensumstände ihres Gegenübers. All das fließt in die Büsten ein.

 

Ihre stärkste Arbeit gelang der aus Ostberlin stammenden und seit 1999 in Fürth lebenden Künstlerin mit dem Porträt des Unternehmers Ernst A. Bettag. Es ist das beste Beispiel dafür, was dabei herauskommt, wenn sich der Auftraggeber nicht in ihre Kunst einmischt, sondern ganz auf das Können Hermanns vertraut.

 

„Dynamischer Mensch“

Der patinierte Gipsguss entstand kurz vor Bettags Tod und zeigt ihn in typischer Sitzhaltung. Trotz der geschlossenen Augen Bettags zieht das Porträt den Betrachter auratisch in seinen Bann. Obwohl sie für die Sitzung mit ihrem Modell nur eine gute Stunde Zeit hatte, gelang es der Künstlerin, genau das festzuhalten, was diesen „dynamischen Menschen“, wie sie selbst sagt, ausmachte.

 

Bildhauer Vaclav Gatarik charakterisierte Hermanns Arbeitsweise am Donnerstag in seiner Einführung: „Sie sucht das Einmalige, Einzigartige im Menschen.“ Und sie findet es.

 

Die Art, wie sie ihre Porträts ausarbeitet, hat zum einen sehr viel mit der Persönlichkeit des Modells zu tun, ist aber auch eine Frage des Materials. Ein Gipsportrat gestaltet die Künstlerin in der Oberfläche anders als eine Arbeit in Bronze oder Marmor. Ganz deutlich wird diese Arbeitsweise bei den nebeneinander platzierten Arbeiten „Prof. Georg Knepler“ und „Der Trunkene“. Während Knepler ausgiebig Modell gesessen hat und bis in die kleinste Falte sorgfältig ausgearbeitet ist, hat die Künstlerin den anderen Kopf des Unbekannten nur flüchtig, ja fast grob modelliert.

 

Jeder Arbeit liegt ein aufwendiger Ablauf aus vielen einzelnen Schritten wie persönlichen Sitzungen und Maßnehmen, Anfertigung einer Maske, Erstellung einer Fotoserie, Herstellung eines Tonmodells, einer Gussform, einer Silikonform, eines Wachsmodells und schließlich der endgültigen Sandform zu Grunde. Als Bildhauerin übernimmt Hermann auch den Formenbau zum Bronzeguss für andere Kollegen. Zudem ist sie die einzige Künstlerin im Großraum, die Totenmasken anfertigt.

 

Wunderbar lebendig gelingen Hermann aber nicht nur ihre Büsten – übrigens erst gestern hat die Künstlerin ihr jüngstes Werk, einen Rohguss von Martin Segitz in der nach ihm benannten Schule in der Ottostrasse aufgestellt. Auch ihre Gipsreliefs „Mein Garten“ und „Die Teetrinker“, beides Beispiele für das von ihr so benannte „Luftmodellieren“, sprühen vor Vitalität.