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Kunihiko Kato, Sparkasse Fürth, 09.11. – 01.12.2006

Fürther Nachrichten, 2006, ClAUDIA SCHULLER

 

Katos keimender Kosmos

Neue Skulpturen und Zeichnungen in der Sparkasse

Mit ruhiger Hand gestaltet er wohlproportionierte, haptisch aufregende Skulpturen: Kunihiko Kato. Foto: Thomas Scherer

Es ist eine zugleich in sich ruhende und kinetisch bewegte Kunst, die Kunihiko Kato derzeit in der Sparkasse zeigt. Während viele Kollegen heute bewusst auf innere Bewegungen der Objekte setzen, bleibt Fürths prominenter japanischer, mehrfach mit Preisen dekorierter Künstler seinen Wurzeln treu und lässt seine Werke eine Sanftheit und stille Kraft ausstrahlen, die an das sprichwörtliche Wasser erinnern, das den härtesten Stein besiegt. Oder an den Baum, der vital ist und dem Menschen doch in seinem Schatten eine meditative Gelassenheit schenkt.

 

Kato hat für die aktuelle Schau das Thema „Lebewesen“ gewählt und dementsprechend verschlungen, verknotet, atmend und substanziell kommt die Ausstellung daher. Wer sein Synagogendenkmal in der Geleitsgasse kennt und die Samen der stilisierten Schotenfrucht als Lebenssymbol aus der die Zukunft erwächst, ist schon mit Katos Vorstellung von Natur vertraut. Da keimt, sprießt, vermehrt es sich immerzu, da ist ein ewiges Prinzip der Erneuerung wirksam.

 

In der Sparkasse zeigt sich das an runden Formen, die weder Anfang noch Ende haben oder bewusst in alle Richtungen andocken können, sowie an stilisierten Trieben und Keimen, ob sie nun durch Einkerbungen angedeutet sind oder als Kugeln plastisch werden.

 

Meister seines Faches

Das Wohltuende an Katos Kunst ist seine unaufgeregte Art, ganz ohne ironische Brechungen mit klassischen Materialien und Techniken zu arbeiten. Solche Werke sind wahrlich selten geworden in den Event- und installationsorientierten Zeiten. Hier demonstriert ein Meister seines Faches sein Können an Ulmenholz, Zeder, Ahorn und Buche. Besonders eindrucksvoll geraten sind die beiden riesigen Formen aus Eichenholz, die etwas von Ohren, von Schnecken und von verspielten Spiralen an sich haben und endlos in den Himmel hineinwachsen wie die Zauberbohnen im Märchen. Aus Walnuss entstand ein Gebilde, das die köstliche Frucht in ihrer haptischen Qualität abbildet.


Auch Granit darf nicht fehlen, wenn ein Bildhauer zu Werke geht. Bei Kato entstehen zarte Wesen, die Pilze, Sporen oder Kerngehäuse darstellen könnten. Das schwere material wird bewusst leicht gemacht und sparsam eingesetzt, denn der Künstler liebt es alles andere als wuchtig, sondern vielmehr wohlproportioniert.

 

Dass auch Zeichnungen und Entwürfe aus seiner Hand zu sehen sind und man sich somit ganz in Kunihiko Katos umfassenden Kosmos begeben kann, macht die Qualität dieser Ausstellung aus. Wer mag, kann hier der Idee eines Werkes genussvoll nachspüren.