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„Dem Schein nach“

Michael Lassel

Sparkasse Fürth, Bavaria

07.06. – 21.06.2007

Fürther Nachrichten, 2007, CLAUDIA SCHULLER

 

Absurde Miniaturwelten mit verblüffender Wirkung

Die genau kalkulierte Kunst der Augentäuscherei: Michael Lassel beherrscht die alte Technik des Tromp-l’oeuil-Malens

Kleine geistreiche Provokation: Michael Lassel führt den Betrachter seiner Werke gern hinters Licht. Foto: Thomas Scherer

 

Wie kann denn dieses Kartengebilde stehen? Es muss doch einstürzen. Wie kommt diese Hand in das schiefe Haus und wo ist der zugehörige Körper?

 

Die faszinierenden Bilderwelt von Michael Lassel, die noch bis Ende dieser Woche in der Hauptgeschäftsstelle der Fürther Sparkasse zu sehen sind, geben dem Betrachter einige Rätsel auf. Die zahllosen Elemente wie Gläser, Bücher, Spiegel, Geldscheine, Marionetten, Spielkarten und Uhren sind dermaßen dicht arrangiert, dass es einem den Kopf verwirbelt.

 

Tromp-l’oeil nennt sich Lassels Malstil. Und im Grunde handelt es sich dabei um kleine intellektuelle Provokationen um ungeahnte Illusionen. Stets schwingt Ironie mit, wenn Lassel seine „Augentäuscherkunst“ entfaltet. Die Miniaturwelten mit den verrückten, manchmal altarähnlichen Anordnungen, die schlicht unmöglichen Stillleben, die nicht einmal nach langer Betrachtung ihr Geheimnis preisgeben, sind akribisch genau angefertigt.

 

Skulpturen, Landschaften und Architekturen werden gewissermaßen geometrisch angetäuscht. Und zwar so, dass man oft meint, sie aus dem Bild herausnehmen zu können. Dabei erhalten Alltagsgegenstände durch Platzierung und Kombination Symbolgehalt und höhere Weihen.

 

Nein, das sind keine Fotografien, wie man auf den ersten Blick zu glauben meint, das ist einfach handwerklich gut ausgeführte Malerei, die perfekt mit Perspektive, Licht und Schatten spielt – und immer mit dem Betrachter rechnet. Die verblüffende Wirkung ist natürlich exakt kalkuliert: Lassel baut vorher große Modelle, die er dann trickreich auf die Leinwand überträgt.

 

Der Maler der aus Siebenbürgen stammt und in Fürth lebt, gab für die Tromp-l’oeil-Malerei die Abstraktion auf, so fasziniert war er auf Anhieb von den „Betrügerchen“, wie man die täuschenden Bilder früher nannte. Heute ist er einer ihrer bedeutendsten Protagonisten.