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„Rei-Ki-Color“, Gabriela Dauerer, Sparkasse Fürth, 29.09. – 17.10.2008

Fürther Nachrichten, 2008, MARION REINHARDT

 

Die Musterfrau

Biennale-Teilnehmerin Gabriela Dauerer

Feine Balance zwischen Chaos und Ordnung: Die Nürnberger Künstlerin Gabriela Dauerer stellt ihre Arbeiten in der Sparkassen-Zentrale in der Maxstraße aus. Foto: Hans-Joachim Winckler

Gabriela Dauerer ist kein ordnungsliebender Mensch, auch wenn ihre Bilder das vielleicht suggerieren. Sie setzen sich zusammen aus Linien an Linien, aus rhythmisch platzierten Kringeln, akribisch aufgetragenen Streifen, die sich - einem Muster folgend - an bestimmten Stellen treffen und wieder auseinander streben. John Hammonds Art-Agency präsentiert Dauerers Arbeiten seit wenigen Tagen in der Fürther Sparkassen-Zentrale.

 

Eigentlich, so bekennt Gabriela Dauerer, arbeitet sie schnell und ungenau. Doch für ihre Kunst zwingt sie sich zur Genauigkeit. Jeder Strich hat seinen Platz. Darauf achtet sie mit einem gewissen Hang zum Perfektionismus. Er sorgt für die Balance zwischen Chaos und Ordnung, in der es keine Beliebigkeiten gibt. Bis diese Balance allerdings erreicht ist, vergehen Monate, manchmal sogar Jahre, in denen die Bilder von Gabriela Dauerer reifen - so lange, «bis sich eine Musterordnung ergibt».

 

Die Nürnberger Malerin studierte an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Ernst Weil und Christine Colditz. Sie ist vielfach ausgezeichnete Künstlerin und war 2003 Teilnehmerin der 50. Biennale von Venedig.

 

In der Sparkasse stellt sie nun ihre Arbeiten in Öl auf Leinwand vor. Zur Vernissage, organisiert von der Art-Agency Hammond, gab es Obertonmusik von Jochen Vetter zu hören, der auch einen Film über Dauerer in ihrem Atelier zeigte. Unter dem Titel «Ich schwinge, also bin ich» gab es Einsichten in ihre Arbeitsweise des «gestalteten Zufalls» und des «geordneten Chaos».

 

Kunsthistoriker Harald Tesan lotete in seiner Einführung unter anderem die Gemeinsamkeiten der Obertonmusik und der Malerei Dauerers aus. Beide Kompositionsprinzipien ließen, so Tesan, ungewohnte Klangfarben entstehen – ein Schwingen und «meditatives Flimmern».

 

Ihr Werk lässt sich in drei Gruppen ordnen. Die Bilder, geprägt durch die Geste, loten die Gesetzmäßigkeiten von Farbe und Fläche aus. Die «Fließbilder» aus rhythmischen Linien ergeben sich durch den vertikalen Fluss der Farbe auf der Leinwand, in den die Künstlerin aber immer ordnend eingreift. Die Arbeiten mit eingearbeiteten Objets Trouvés wie Puzzleteilen oder Papierkügelchen wiederum sind von besonderer haptischer Qualität.

 

Aus der Entfernung betrachtet, wirken die meisten Werke wie aus Wollfäden gewoben, teils wie ein feines Geflecht, teils als grobes Muster. Immer aber ziehen sie den Betrachter in einen schier unwiderstehlichen Sog.