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„Menschenbilder“

Armin Mueller-Stahl

Stadttheater Fürth, Bavaria

16.11.2008 – 14.01.2009

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Fürther Nachrichten, 25.11.2008, SABINE REMPE

 

Das Universalgenie ist heiter

Kabinettstückchen und Anekdoten: Armin Mueller-Stahl im Stadttheater

Amüsant, bescheiden, weise: Armin Mueller-Stahl verströmte bei seinem Auftritt in Fürth Weltstar-Flair. Foto: Hans G. Esterl

Armin Mueller-Stahl zum Anhören, Anschauen, Anstaunen. Im Foyer des Stadttheaters sind zurzeit seine «Menschenbilder« zu sehen (Besprechung folgt). Auf der Bühne präsentierte sich der generalistische Künstler vor ausverkauftem Haus mit Texten aus seinen Büchern und einem Rückblick in Anekdoten: «Bin schon Gaukler 50 Jahr’...«.

 

Gaukler nennt er sich also. Wer sonst würde das wagen? Erklärt doch «Der große Brockhaus«, dass zu dieser Berufsgruppe die Taschenspieler, Artisten, Possenreißer und Wanderprediger zu zählen sind. Armin Mueller-Stahl ist nichts von dem. Aber er hat seinen Spaß an dem dezent koketten Tändeln mit der Untertreibung.

 

Der Mann ist ein Weltstar. Punkt. Damit sind wir nicht reich gesegnet. Und so verzichtet natürlich keine biografische Anmerkung zum Opus Magnum des bald 78-Jährigen darauf, die großen Namen aufzulisten, mit denen der gebürtige Tilsiter gearbeitet hat: Rainer-Werner Fassbinder («Lola«), Istvan Szabo («Oberst Redl«), Jim Jarmusch («Night on Earth"), Steven Soderbergh («Kafka"). Für seine Glanzleistung in «Shine« wurde er für den Oscar nominiert. An Weihnachten kommt er als Konsul in der Neu-Verfilmung der «Buddenbrooks« unter der Regie von Heinrich Breloer in die Kinos.

 

Und jetzt sitzt er also in Lebensgröße auf der Bühne des Stadttheaters hinter einem schlichten Tisch mit schwarzer Samtdecke. Nein, dieser Mann ist keine Enttäuschung für sein Publikum. Charmant ist er. Bescheiden, weise. Liebenswürdig, wie er der 24-jährigen Violinistin Sarah Spitzer, die seine Lesung mit dem Pianisten Mike Jin begleitet, den Platz im Rampenlicht zuteilt.

 

Den Hauch von Hollywood bringt der Kosmopolit mit den verblüffend blauen Augen so nonchalant ins Spiel, dass es kaum auffällt. Entspannt erzählt er von Richard Burton («Der Suffkopp«) und Liz Taylor («Die Suffköppin«). Heiter plaudert er davon, wie er einst mit Jack Lemmon in einer Drehpause über das Leben philosophiert hat. Mit Jack Lemmon. Dem hinreißenden Komiker etwa aus «Manche mögens heiß«. Philosophiert. Einfach so. Die Pointe der eleganten Anekdote geht ein bisschen unter. Was bleibt, ist dieses unbeschreibliche Weltstar-Flair.

 

Ein vielgerühmtes Multi-Talent ist der Künstler im schwarzen Samt-Janker, er malt, komponiert, musiziert. Dass er auch ein Erzähler von Rang ist, demonstrierte der Schriftsteller Mueller-Stahl mit kurzen Auszügen aus seinen Werken «Hannah« und «Kettenkarussell«. Vertraulich lässt Mueller-Stahl dazwischen durchblicken, wie er die Schauspielkunst erlernt hat. «Zwei Stunden ging es zum Beispiel nur um zwei Sätze: ,Komm rein. Setz dich’«. Er gibt eine Kostprobe. Zeigt Kabinettstückchen. Und verweist wieder auf die beiden jungen Musiker, die ein «Best of« von gern Gehörtem im Programm haben und virtuos interpretieren.

 

Als Armin Mueller-Stahl die Bühne verlässt, hinterlässt er das Gefühl, der Zuhörer und Zuschauer habe einen intimen Abend mit einem Universalgenie verbracht zu haben. Und auch das ist eine bewundernswerte Kunst.


Eine Auswahl der Gemälde Armin Mueller-Stahls zeigt die Art-Agency Hammond unter dem Titel «Menschenbilder« im Foyer des Stadttheaters bis 14. Januar. Zu sehen an Aufführungstagen ab 19 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 770727. Führungen am 14. Dezember (14-16 Uhr) und 11. Januar (11-13 Uhr). Eine Besprechung der Ausstellung folgt.