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„Kleine Stücke“

Hasso von Henninges

Stadttheater Fürth, Bavaria

01.06. – 06.07.2008

© FÜRTHER NACHRICHTEN, 02.06.2008, CHRISTINE STUBENVOLL

 

Konkrete Kunst: Farbe und Fläche im Foyer

Hasso von Henninges gestaltet 60 kleinformatige Tafeln - Ausstellung im Stadttheater

 

Zur Vernissage von Hasso von Henninges Ausstellung «Kleine Stücke» im Stadttheater Fürth hat sich eine große Schar Anhänger und Freunde im Foyer eingefunden, um das Wechselspiel dieser fünf Farbtöne auf sich wirken zu lassen.

Foto: Marianne Vordermayr

Eine Ausstellung, so lobte Klaus Schicker in seiner Begrüßung, die eigens für den Raum konzipiert wurde. Das ist ein Novum in der Geschichte der Ausstellungen im Stadttheater. Der Künstler und das Theater haben dabei lange gerungen und diskutiert, bis sich die Werke so in den Raum fügten, wie sie es jetzt tun.

 

Sich fügen und das Foyer durch ihre Andersartigkeit zu etwas Neuem werden lassen. Denn es sind die herrschenden Kontraste, die in dieser Ausstellung reizen. Oberbürgermeister Thomas Jung lässt es sich nicht nehmen, ein Grußwort zu entrichten, und der Nürnberger FDP–Stadtrat Utz W. Ulrich hält die Einführungsrede.

 

Ulrich spricht von Edelsteinen der Kunst, die das Stadttheater zu seiner Einweihung vor über hundert Jahren heben wollte und immer noch will und das mit «Kleine Stücke» einmal wieder geschafft hat. Er spricht von Farbfeldern, Farbtafeln und konkreter Kunst, die von Henninges seinem Publikum präsentiert. Die Bedeutungsfarben schwarz, weiß, gelb, rot und blau, jeweils drei davon in einer Tafel kombiniert. Macht zusammen 60 Tafeln im unteren Foyer.

 

Tafeln, die in ihrer Gesamtheit wirken. Die, geschickt gehängt, dem sanften, verspielten und fast plüschigen Raum des Theaters eine gewisse Klarheit und Strenge gegenüberstellen und ihn dadurch verändern.

 

Größer dürften sie gar nicht sein, die 18 mal 18 Zentimeter großen Farbfelder, die in Zweier- oder Vierergruppen zusammenhängen. Und auch die großflächigen Tafeln, die im Umlauf des 2. Ranges präsentiert werden, brauchen Platz und Raum, brauchen Luft zum Atmen. Die Farbereignisse und Wechselspiele der Farben sind es, die – gerade im Gegensatz zum Raum – ihre Wirkung entfalten. Mal wirken die Verknüpfungen unruhig, mal darf das Auge sich festsetzen an kombinierten Farbflächen.

 

Ein Nachdenken über die eigene Sehweise wird gewünscht und ist auch erforderlich, denn hier wird nichts abgebildet, nichts wiedergegeben. Alles ist konkret, alles ist einfach genau das, was es ist, nämlich Material, Farbe, Fläche. Die flirrende, lebendige, pulsierende Oberfläche der Werke entsteht dabei durch das verwendete Material.

 

Sinnliche Oberfläche

Von Henninges wählt bewusst Pastellkreide, die eine sinnliche Oberfläche erschafft, nichts Glattes, Künstliches, sondern etwas Atmendes, Lebendiges in all der straffen Form. Zudem sind die kleinen Stücke eine Serie ohne Anfang und Ende. Erst durch die Installation aller 60 Tafeln entsteht die beschworene heitere, leichte Atmosphäre. Doch muss sich der Betrachter sein eigenes Bild machen, muss mit offenem Blick und offenem Herzen durch die Ausstellung gehen.

 

Ein einsames, gerahmtes Werk fällt einem beim Hinausgehen ins Auge. Quasi das Kind der Serie. Von Henninges hat alle Klebestreifen, die er zum Abkleben der einzelnen Farbschichten benutzt hat, in einem Werk vereint. Sehr konkret.