ARCHIVE 2013

Sparkasse Fürth, Kundenhalle, Maxstr. 32, 90762 Fürth, Germany

„Spektralwelten“

Mathias Börner

Sparkasse Fürth

Fürth (Bavaria)

11.04. – 10.05.2013

Vernissage: 10.04.2013

Mathias Börner

Press Archive

Fürther Nachrichten, 14.04.2013, REINHARD KALB

 

Sinfonie der Farben

Der Maler Mathias Börner spielt mit den Spektren

 

FÜRTH - Kunst am Finanzplatz, die Zweite: Kaum stellt die Hypo-Vereinsbank Elma Maria aus, zieht die Sparkasse Fürth mit Mathias Börners „Spektralwelten“ gleich.

Ausdauer braucht Mathias Börner, um Wirkung zu erzeugen. Mit einem breiten Pinsel fegt der Künstler stundenlang über den Bildträger, bis die Acrylfarbe zu schimmern anhebt.  Foto: Joachim Sobczyk

 

Der Gegensatz könnte kaum größer sein. Drückt Elmar Maria voll auf die Tube und spachtelt er daumendick die Leinwand zu, so greift Mathias Börner zum Besen und fegt die Acrylfarben so hauchdünn über die Nessel-Leinwand, als ob er sie damit imprägnieren müsste. Allerdings geht es beiden Künstlern um die Farbe als solche, die Form ist zweitrangig, bei Börner gar spielt sie kaum eine Rolle.

Der gebürtige Coburger und Wahl-Bamberger Mathias Börner, Jahrgang 1956, organisiert Farbstreifen in seinen quadratischen Gemälden. Diese Streifen verlaufen meist vertikal und changieren in feinsten Hell-Dunkel-Nuancen von einem Farbton zum nächsten. Dabei bevorzugt Börner gern kühle Farben wie Grün und Blau; doch selbst den von Natur aus als warm konnotierten Farben wie Gelb und Rot haftet eine eigentümliche Aura der Kühle an.

Der Glanz, den Börners Farbenspiele ausstrahlen, rührt von der Nachbearbeitung her. Mit einem breiten Pinsel fegt der Künstler stundenlang über den Bildträger, bis die Acrylfarbe zu schimmern anhebt.

Bei den Streifen allein bleibt es nicht. Um Spannung in die Bilder zu bringen, legt Mathias Börner im oberen Bilddrittel ein zweites Farbspektrum an. Auch hier verlaufen die Farbstreifen vertikal, doch sowohl die Farbgebung als auch die Breite der Farbstreifen kontrastiert mit dem Spektrum des unteren Bildinhalts. Dabei ist die Grenzlinie zwischen oberer und unterer Farbskala haarfein, kein Strich scheidet die beiden Sektoren. Es ist deshalb die Farbe selbst, die mit der anderen Farbe scharf kontrastiert.

Eben diese Vereinigung der Gegensätze – scharfer Kontrast hier, samtweicher organischer Übergang dort – macht den Reiz von Mathias Börners Gemälden aus, die meist so prosaische Titel tragen wie „405T“ oder „R2 40x80“. Es lohnt sich, seine Gemälde aus unterschiedlicher Distanz zu betrachten. Von nahem gesehen, schimmert die Textur der Nessel-Leinwand durch, bei Abstand betrachtet, setzt ein eigenartiges Flirren vor den Augen ein. Auch spielt unser Gehirn uns optische Streiche. Unser auf Dreidimensionalität und Tiefenwirkung eingerichtetes Wahrnehmungsvermögen interpretiert die von Dunkel zu Hell verlaufenden Farblinien als metallisch glänzende Zylinder, suggeriert uns Plastizität, wo keine angelegt ist. So interpretiert der Betrachter monochrome Farblinien als Falten eines schweren Bühnenvorhangs. Oder ein Gemälde wie das großformatige Breitwandbild „Choral“ mit fünf Ebenen als Depot für chemische Stoffe.

Invitation Archive