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Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer. © Anestis Aslanidis

 

 

„Grün ist die Hoffnung, und weiß ist mein Fahrrad“

Birgit Maria Götz & Kathrin Hausel

Stadttheater Fürth

Fürth (Bavaria)

17.03. - 07.05.2013

Vernissage: 17.03.2013

Birgit Maria Götz  &  Kathrin Hausel

Press Archive

Fürther Nachrichten, 03.04.2013, MATTHIAS BOLL

 

Die Gabe des präzisen Blicks

Birgit Maria Götz und Kathrin Hausel zeigen ihre Gemälde im Stadttheater

 

FÜRTH - Pittoreske Seiten Fürths, flüchtige zwischenmenschliche Momente: Kontrastreich geht es zur Sache in der Doppelschau der Art-Agency Hammond im Stadttheater, wo Birgit Maria Götz und Kathrin Hausel dem nicht völlig ernst gemeinten Motto „Grün ist die Hoffnung, und weiß ist mein Fahrrad“ huldigen.

Die schönen, vom Licht verzauberten Seiten Fürths haben es Birgit Maria Götz angetan.  Foto: Anestis Aslanidis

 

Sie kennen und schätzen sich, seit sie im Kulturort Badstraße 8 Ateliertür an Ateliertür den Pinsel schwingen, ihre Ausstellung „Milchmädchenrechnung“ 2011 war, was man gemeinhin einen Publikumserfolg nennt. Birgit Maria Götz und Kathrin Hausel vereint das Trennende und die Gabe des präzisen, niemals kühlen Blicks. Polarisieren ist beider Metier.

 

Götz, die in Kleingründlach aufwuchs, an Fürth jedoch einen Narren gefressen hat, steht seit wenigen Jahren unter Erfolgsverdacht — heißt: Mit ihren rasant farbsatten, glühend stimmungsvollen Fürth-Impressionen (Markenzeichen: kein Mensch, nirgends) ist sie zu einer Größe der regionalen Szene avanciert. Was im Stadtpark schimmert und an Flussauen leuchtet, Götz fängt es mit ihren Punkt-Explosionen ein und hält die Tür zum ganz großen Kitsch dennoch fest verschlossen. „Mir ist wichtig, dass die Kunst ins Stadtleben eingreift“, sagt sie.

Kathrin Hausel bannt Zwischenmenschliches und Momente von Kindlichkeit in eindringlichen Szenen. Foto: Anestis Aslanidis

Theater-Erdgeschoss und 2.Rang-Foyer teilt Götz sich mit der ungleich irritierenderen Kunst Kathrin Hausels. Vergänglichkeit, Kindlichkeit sind ihre Themen, flüchtige Momente, die wie herangezoomt wirken und dem Betrachter mit offensivem Gestus gegenübertreten. Die hart beleuchtete XL-Zahnlücke, die Spuckeblase, die stillende Mutter: Hausel spielt virtuos mit kippenden Situationen, mit den nicht immer leisen Brüchen im harmonischen Gesamtgefüge, mit Chiffren, die Kindheit nicht als pausenlos putziges Ereignis feiern. „Da Boas“ etwa ist ein Gemälde betitelt, es zeigt einen cool bemützten Jungen in Kämpferpose. Man macht so etwas als Kind, klar, und doch ahmt da ein kleiner Kerl die Heldengesten der Erwachsenenwelt nach — „Da Boas“ spiele er, sagt der Bub, nicht wissend, dass die Vorlage im astreinen Englisch „Star Wars“ heißt und martialisch zur Sache kommt. Licht, Stimmung, Wirkung: großartig. Ein Sprengsatz im gediegenen Theater-Ambiente. Am 14. April um 12.30 Uhr führen Götz und Hausel durch ihre Ausstellung.

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