ARCHIVE 2014

Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer. © Anestis Aslanidis

 

„Anatomie der Landschaft“

Guido Mayer & Franz Wörler

Stadttheater Fürth

Fürth (Bavaria)

19.01. - 18.03.2014

 

Artworks

Guido Mayer & Franz Wörler

Vernissage: 19.01.2014

Press Archive

Fürther Nachrichten, 23.01.2014, REINHARD KALB

 

Landschaft differenziert betrachtet

Doppelausstellung von Franz Wörler und Guido Mayer im Stadttheater Fürth

Chaotisch anmutendes Farbgewusel: Bei der Vernissage im Foyer erläutert Guido Mayer den Besuchern seine großformatigen Arbeiten. Foto: Horst Linke

 

Wieder teilen sich zwei Künstler das Foyer des Stadttheaters, nämlich der alte Hase Franz Wörler und der junge Guido Mayer. Das Thema: „Anatomie der Landschaft“, ist dasselbe, der Blick und die Umsetzung sind grundverschieden. Landschaft und ihre Wahrnehmung. Eben das macht die Nebeneinanderstellung zweier Künstler mit so unterschiedlichen Handschriften so spannend.

 

Der Kunstpädagoge und freischaffende Maler Franz Wörler (Jahrgang 1947) bevorzugt die Küstenzone. Den Bereich, wo Meer auf Land trifft, wo das nasse Element auf unnachgiebigen Stein trifft. Wer nun tosende Brandung erwartet, sieht sich getäuscht. Bei Wörler liegt das Meer eben, friedlich und spiegelblank da. Keine Welle, kein Wind kräuselt die glatte Oberfläche. Und doch ist die Ruhe eine trügerische. Denn im Fordergrund türmen sich massive Gesteinsblöcke gen Himmel. Und man ahnt die Gewalten, die im Verbund mit der Zeit an den massiven Gesteinen arbeiten.

 

Felsen als Körper

Mensch und Tier fehlen, allenfalls schwarze borstige Halme sprießen aus den Ritzen. In ihrer Gestalt gemahnen sie seltsamerweise an Körperbehaarung, und man ist versucht, die Felsen auch als Körper und Torsi zu lesen. Doch ist dies wohl eine falsche Fährte. Helle und blasse Blautöne dominieren Wörlers Gemälde und verleihen den Küstenlandschaften ein skandinavisches Gepräge, obwohl kein Detail auf ein typisch nordländisches Flair hinweist. Vielleicht ist es die Kühle, die diese Bilder ausstrahlen und den Betrachter unwillkürlich an „Norden“ und „frostig“ gemahnen.

 

Bei näherem Hinsehen staunt man, wie flächig Franz Wörler die Felsen gestaltet. Trotz ihrer Massivität wirken sie wie planvoll miteinander kombinierte Farbflächen, deren Geometrie durch tiefe Schrunden und Risse gestört wird. Doch auch diese haben ihren Sinn: Sie lenken den Blick des Betrachters durchs Bild, führen ihn vertikal in die Höhe bzw. in die Tiefe des Raumes hinein, bis sich der Riss in der Glätte des Meeres verliert. Bringt Wörler doch einmal Architektur ins Spiel, so sind dies fantastische, wie Science-Fiction-Objekte brutal in die Landschaft gerammte Elemente in knalligem Rot, die schräg gen Himmel weisen, wo ihnen ebenfalls schräge bläuliche Elemente entgegenragen.

 

Geht Franz Wörler von Zeichnung aus, so greift der Nürnberger Guido Mayer (Jahrgang 1981) direkt zu Pinsel und Farbtopf. Seine Landschaften gedeihen unter südlicher Sonne, doch der Betrachter hat seine liebe Not, sich in dem chaotisch anmutenden Farbgewusel zu orientieren. Die „Oude Kerk“ in Amsterdam etwa nimmt er zuerst als Felsen wahr, vor dem sich Herbstlaub in brandigem Rot ausbreitet. Auch die Pyramide mit dem gelben Schimmer identifiziert er nicht als den „Teide“.

 

Kühne Kombinationen

Erkennbarkeit und Identifizierbarkeit auf den ersten Blick ist Guido Mayers Anliegen nicht. Auch die Vielzahl der Farbflecken und –auftrage gibt weder in ihrer Plastizität noch in ihrer farblichen Aussage einen Hinweis auf das dargestellte Detailobjekt. Handelt es sich hierbei um eine Pflanze, einen Stein, oder einen Baum? Der Betrachter bestaunt eher die Kühnheiten der Farbkombinationen und den sehr bewegten Pinselduktus, bevor er sich ans Werk macht, die Szene zu rekombinieren.

 

Erholung findet der so verstörte Betrachter bei Wörlers Felsblöcken. Doch nach einiger Zeit kommen einem diese schon wieder zu brav vor. Also zurück zu Guido Mayer. Ein optisches Wechselbad, das den Foyergänger noch lange bei Laune hält.

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