ARCHIVE 2014

Sparkasse Fürth, Kundenhalle, Maxstr. 32, Fürth, Bavaria

 

 „Sport“


Béla Faragó


Sparkasse Fürth


 Fürth (Bavaria)


17.07 - 08.08.2014

 

Vernissage: „Sport“, Béla Faragó, Sparkasse Fürth, Fürth (Bavaria), 16.07.2014

Einführung: Fritz Schnetzer (Autor)

 

Béla Faragó

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe „Sportfreunde“, vor allem lieber Béla Faragó.

Ich spreche zu Ihnen nicht als großer Kunstkenner, sondern als Schreibender und Freund. Als Erzähler bin ich dem Maler und Zeichner Béla Faragó sehr nahe. Sind wir vielleicht Seelenverwandte, Béla?

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Vernissage: „Sport“, Béla Faragó, Sparkasse Fürth, Fürth (Bavaria), 16.07.2014,

Fotos: Dieter Zeitler

Fürther Nachrichten, 23.07.2014, CLAUDIA SCHULLER

 

Rosa Fleischmassen auf dem Weg ins Verderben

Sport ist Mord: NN-Kunstpreisträger Béla Faragó zeigt sich in der Sparkasse von seiner bitterbösen Seite

 

FÜRTH - Das Land befindet sich noch im Fußballtaumel und schwitzt bei sommerlichen Temperaturen. Doch was macht Béla Faragó, der Individualist und Querkopf? Der NN-Kunstpreisträger des Jahres 2005 setzt auf Skisport und Sumoringen. Jedenfalls zeigen die meisten Bilder seiner aktuellen Ausstellung mit dem Titel „Sport“ in der Sparkasse diese Sportarten, die aktuell niemand auf der Rechnung hat.

Schau der Qualen, der Verlierer und der Unglücklichen: Béla Faragó (2. v. re.) schont in seinen „sportlichen“ Arbeiten — im Bild zu sehen sind seine Sumoringer — nichts und niemanden. Foto: Thomas Scherer © Thomas Scherer

Wie bei Béla Faragó üblich, kommt auch in der Maxstraße wieder ein gehöriger Schuss Ironie ins Spiel. Und so zeigt er seine Sportler nicht etwa als Helden. Sie sind nicht wie Lahm, Klose und Co. auf zahllosen Fotos zu bewundern, sondern auf diesen Bildern eher zu bedauern.

 

Sie quälen sich, leiden, kämpfen. Die Gesichter bleiben oft undeutlich verzerrt, halboffene Münder stöhnen vor Schmerz. Nein, hier geht es nicht um strahlende Sieger, sondern um die Schattenseiten des Sports. Unwillkürlich muss man an Absturz, Verletzung, Rücktritt denken. Auch Andreas Biermann fällt einem ein, der Fußballer, der kürzlich den Freitod wählte. Faragó hat kein Interesse an Fairplay und tollen Körpern, schon gar nicht an kollektivem Rausch oder nationalen Glücksgefühlen. Diese Dinge machen ihn intuitiv misstrauisch. Stattdessen zeigt er knallhart, wie es wirklich ist. Wie leer und ausgebrannt sich Verlierer nach dem Turnier fühlen. Wie groß die ständige Angst vor dem Scheitern ist.

 

Ein Haufen ameisenhafter Langstreckenläufer auf einem erbarmungslos steilen Berg illustriert, wie beinhart man sich durchkämpfen muss, und dass es am Ende nur ein paar schaffen. Ein Golfspieler hat ganz allein seinen Schläger erhoben, die Zuschauer sind eine unendliche amorphe Masse, wie Bäume, lassen nur einen schmalen Weg frei. Der Boxer scheint seinen Gegner, der am Boden liegt, förmlich hingerichtet zu haben.

 

Und dann erst die beiden riesenhaften Sumoringer, das Bild mit dem umwerfendsten Format. Rosa Fleischmassen prallen aufeinander, keiner will nachgeben, jeder sich durchsetzen. Es ist, als ob Faragó sagen will: genau deshalb werdet ihr beide verlieren. Ebenso aggressiv und unglücklich zugleich sehen die Eishockeyspieler, Boxer, Fußballer aus. Der Hochspringer reckt sich zu weit, geht über sich selbst hinaus – vergebens.

 

Mit Tusche, Aquarell, Buntstift und Kreide übt Faragó deftige Kritik an Sportfunktionären, Kommerzialisierung und dem Leistungssystem, ohne all das platt und direkt zu malen. Er nimmt eine Gesellschaft aufs Korn, in der erfolgreiche Sportler fast schon als Götter gelten, ohne dass jemand etwas von Dauerdruck, übertriebenem Training, Doping, Magersucht, Verzicht auf Jugend hören will. Dass dieser Künstler all das mit federleichtem Strich schafft, ist sensationell. Als ob es nichts wäre, mixt Béla Faragó theoretisch Reflektierendes mit realistischen Abbildern der Wirklichkeit, schafft kraftvolle Gemälde aus einer verkehrten Welt mit lockerem Pinsel. Unbedingt sehenswert.