A R T -  A G E N C Y   H A M M O N D

 

CELEBRATING OVER 40 YEARS OF SUCCESS

 

The past 40 years were an extraordinary journey and to have worked with the people we met along the way was the privilege of a lifetime.

In Memory of Mick Rock who passed away on 18 November 2021.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

A portrait of Mick Rock photographed by John Hammond in 1973 in London.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

A portrait of John Hammond photographed by Mick Rock in 1973 in London.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Photo taken by Mick Rock with John Hammond for David Bowie's Album PINUPS.

Current Exhibition

Vernissage: 18.09.2022

Virtual Tour

Artworks

Maria Seidenschwann

Price List

Maria Seidenschwann

Nr.

Titel
Foyer

Technik

Maße
H x B in cm

Preise
in €

 

 

 

 

 

68

Hoffnung

Mischtechnik auf Leinwand

90 x 110

 2.600  

69

Alles wird gut I

Mischtechnik auf Leinwand

70 x 80

 1.300  

70

Alles wird gut II

Mischtechnik auf Leinwand

60 x 80

 1.300  

71

o.T.

Mischtechnik auf Leinwand

110 x 140

 4.100  

72

Patagonien I

Mischtechnik auf Leinwand

130 x 110

 3.700  

73

Patagonien II

Mischtechnik auf Leinwand

130 x 110

 3.700  

74

Frühling

Mischtechnik auf Leinwand

90 x 100

 2.400  

75

Anno 2020

Mischtechnik auf Leinwand

110 x 120

 3.500  

76

Entropie

Mischtechnik auf Leinwand

90 x 100

 2.700  

77

o.T.

Mischtechnik auf Leinwand

130 x 110

 3.600  

78

Feuerblume

Mischtechnik auf Leinwand

100 x 120

 3.400  

79

Im Gebirge

Mischtechnik auf Leinwand

110 x 130

 3.400  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Rang links

 

 

 

80

Regenwald

Mischtechnik auf Leinwand

100 x 120

 3.300  

81

Landschaft

Mischtechnik auf Leinwand

110 x 120

 3.500  

82

o.T.

Mischtechnik auf Leinwand

110 x 120

3.500

 

 

 

 

 

Irrtum vorbehalten. Preise inkl. Ra

Artist Profile

Maria Seidenschwann

Maria Seidenschwann wurde 1945 in Regensburg geboren.

1969 -73 Studium an der Graphischen Akademie München
1974 -78 Lehramtsstudium für Kunsterziehung, Universität München
seit 1978 freischaffend
1987 Kulturförderpreis der Stadt Regensburg
1992 Kulturförderpreis Ostbayern der OBAG
Maria Seidenschwann lebt und arbeitet in Regensburg.

 

Das Geheimnis der Oberfläche

Zur Kunst Maria Seidenschwanns

 

Farbe und Entstehungsprozess: Bei den Bildern von Maria Seidenschwann wird die Form vernachlässigt. Die Aussagekraft der Farbe und der Entstehungsprozess stehen absolut im Mittelpunkt. Sie sehen bei den Feuerbildern mit welcher Energie Maria Seidenschwann zu Werke ging. Man wird ihre Bilder eindeutig dem Informel (französisch für „formlos“) zuordnen. Die Künstler des Informel lehnten sowohl geometrische Formen als auch abstrakte Darstellungen von realen Gegenständen und überhaupt jede Art von konzipierter (also durchgeplanter) Darstellung ab. Statt des Tektonischen soll das Spontane und Unbewusste des Malvorgangs betont werden, wodurch die  Emotion unmittelbaren Ausdruck erlangen soll. Der malerische Prozess wird im Informel dadurch fast so wichtig wie das fertige Kunstwerk. Zum Schluss ein Zitat: »Informel ist innerhalb des 20. Jahrhunderts die Phase II der malerischen Abstraktion. Informel hat das Testament Kandinskys vollstreckt, ist jedoch nicht sein Epigone geworden. Informel wurde seine Metamorphose.« (Eugen Thiemann, Leiter des Museum für Moderne Kunst in Dortmund)

Johannes M. L. Pasquay

 

Studierende der Universität Regensburg im Interview mit Maria Seidenschwann

Kommen wir nochmals auf die Farbe zurück. Sie sagten bei einer anderen Gelegenheit, Farbe müsse zu einem passen. Wie kommen Sie zu Ihren persönlichen Farbharmonien? Das ist etwas Fließendes, ein Prozess, der nicht endet. Er ist daran gebunden, was man künstlerisch ausdrücken will und vor allem auch, wie man sich entwickelt. Würde der Prozess enden, wäre das für mich Erstarrung; dann hätte ich letztlich nichts mehr zu sagen. Beispielsweise habe ich früher fast kein Grün verwendet. Grün war für mich sofort Landschaft. Blau, das war immer Meer, Himmel. Mit der abstrakten Malerei habe ich mich von diesen eher konventionellen Botschaften befreit. Jetzt ist es so, dass ich Phasen habe, in denen bestimmte Farbtafeln dominieren. Ich bleibe dann zum Beispiel im Blau- oder Gelbbereich, weil es gerade zu meinem Ausdruck passt. Aus dieser Erfahrung meiner inzwischen gereiften Farbsouveränität heraus arbeite ich seit langem auch wieder gerne mal vor der Natur. 

 

Artworks

Wolfgang Walter

Price List

Wolfgang Walter

 

Nr.

Titel
Foyer

Technik

Maße
H x B in cm

Preise
in €

51

Form (aufgebrochen)

Mischtechnik auf Leinwand

120x150

3.600

52

Form (orange in Rot)

Mischtechnik auf Leinwand

160x120

 3.600

53

Form (aus dem Licht)

Mischtechnik auf Leinwand

120x120

2.900

54

Form I (schwebend in Türkis)

Mischtechnik auf Leinwand

120x60

 2.200

55

Form II (schwebend in Türkis)

Mischtechnik auf Leinwand

120x60

 2.200

56

Form (Ocker in Orange)

Mischtechnik auf Leinwand

120x150

 3.200

57

Fragmente (in Türkis)

Mischtechnik auf Leinwand

120x150

 3.200

58

Korpus (in Ocker)

Mischtechnik auf Leinwand

100x100

 2.400

59

Form (schwarz in Ziegelrot)

Mischtechnik auf Leinwand

100x100

2.400

60

Korpus (in Rot)

Mischtechnik auf Leinwand

100x100

 2.400

61

Quadrat I (schwarz in Weiß)

Mischtechnik auf Leinwand

40x40

 550

62

Quadrat II (schwarz in Weiß)

Mischtechnik auf Leinwand

40x40

 550

63

Quadrat III (schwarz in Weiß)

Mischtechnik auf Leinwand

40x40

 550

64

Quadrat IV (schwarz in Weiß)

Mischtechnik auf Leinwand

40x40

 550

65

Korpus (moosgrün)

Mischtechnik auf Leinwand

120x160

 3.600

 

 

 

 

 

 

2. Rang rechts

 

 

 

66

Form (schwarz in Weiß)

Mischtechnik auf Leinwand

100x100

2.400

67

Fragmente (schwarz in Weiß)

Mischtechnik auf Leinwand

100x100

 2.400

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Irrtum vorbehalten.

Artist Profile

Wolfgang Walter

Wolfgang Walter wurde 1954 geboren.

1992 Beginn der künstlerischen Arbeit

2011 Eigenes Atelier und Ausstellungsraum in ehemaliger Lagerhalle im Nürnberger Stadtteil Rosenau. 

Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler (BBK)

Wolfgang Walter lebt in Heroldsberg bei Nürnberg.

 

 

Das Geheimnis der Oberfläche
Zur Kunst Wolfgang Walters

 

Wenn Wolfgang Walter ein Bild macht, dann sind da Energien am Werk, die vorderhand nicht mit Kunst in Verbindung gebracht werden. Da wird geschüttet, gekratzt und geschabt, da wird gerüttelt, gewischt, gespritzt, er putzt und pinselt und streichelt, im Stehen, im Sitzen, im Knien, am Boden, an der Wand, am Tisch arbeitet Walter, er bearbeitet die in den Keilrahmen gespannte Leinwand – auch akustisch ist das durchaus ein Ereignis –, dann wieder tritt er zurück, sinnt ein wenig, um sich erneut auf das Bild zu stürzen, um das bis jetzt Getane wieder zu modifizieren, aufzubauen, zu zerstückeln zuzuschütten, aufzuschneiden. Während seiner Arbeit überschreitet Walter die Grenzen der Malerei weit, und echte Tiefenräumlichkeit kommt ins Spiel, Relief, eine fragile haptische Qualität. Das ist ein Vorgang, der mit einem starken Materialeinsatz beginnt – Farbe, Sand, Leim etwa werden schnell und heftig aufgebracht –, um eine Grundlage zu schaffen, eine machtvolle, gültige Oberfläche. Die eigentliche Arbeit besteht im Verändern dieser Oberfläche, im Bearbeiten der eigenen Materialprämisse, bis der Künstler die Leinwand in einen Zustand gebracht hat, den er als „Bild“ definiert. In diesem Augenblick ist die Arbeit daran beendet. Weitere Modifikationen werden nicht vorgenommen. 

Es ist dies ein prozessorientiertes Arbeiten, das getragen ist vom Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten, von der Sicherheit, das Richtige im richtigen Augenblick zu tun. Keine vorgefertigten Konzepte und Überlegungen steuern die Bildwerdung, sondern Spontaneität und ein Höchstmaß an Subjektivität. Walters Bilder sind die unabsehbaren Resultate von Vorgängen, die aus seinem Inneren drängen und Gestalt annehmen.

Dennoch ist Walter kein Action-Painter. In all seinem Tun waltet die feste Instanz einer feinen Kontrolle, die als eine Mischung aus Erfahrung und Entdeckerfreude die Dinge wie aus der Ferne überwacht. Seine künstlerische Vorgehensweise ist von einem Verstand geleitet, der sich zurücknimmt im Wissen, dass nur so wirklich Neues entstehen kann. Denn das ist ein zentrales Element in Walters Kunst: Unbekanntes, noch nicht Geschautes, nie Dagewesenes soll in seinen Bildern sein, eine Verwerfung etwa, die sich dem beschleunigten Trocknungsvorgang zweier unverträglicher Materialien verdankt, Stellen im Bild also, die aus dem Zusammentreffen von Willen und Zufall hervorgehen, die mithin vornweg nicht planbar sind – sind sie planbar geworden, also in das Repertoire der Ausdrucksmittel des Künstlers übergegangen, so sind sie wohl zielgerichtet einsetzbar, aber keine Neuheiten mehr.

Vielmehr als Kompositionen im strengen theoretischen Sinn sind Walters Bilder gestaltete Oberflächen. Das Kompositionelle ist bei ihm die notwendige Organisation der einzelnen Oberflächenbestandteile, das Gerüst, in dem die Sensationen eingehängt sind, es ist lediglich der Zugang zum Eigentlichen. Die Komposition ist die oberste Fläche, von der aus man in die Tiefe gelangt. Deshalb spielt sie bei Walter gleichermaßen eine wichtige und eine untergeordnete Rolle. Man braucht sie, um ins Bild zu kommen, doch dann lässt man sie hinter sich ...

Und begibt sich auf eine Augenreise in die Geologie des Bildes. Wolfgang Walter versteht es, seine Bilder das sagen, wenigstens fragen zu lassen, was an den Begriff der Oberfläche stets gekoppelt ist: Das Dahinter, das Darunter. Eine Oberfläche steht nie für sich allein, immer ist sie nur das Sichtbare, hinter dem sich verbirgt, was verborgen sein soll. Dieses illustre Changieren ist nicht allein ein philosophisches Spiel, bei Walter ist es die Visualisierung quasi physikalischer Vorgänge. Dass „Verwitterung“ bei ihm eine große Rolle spielt, verwundert nicht. Wind, Regen, Kälte, Hitze setzen Außenwänden zu, mit der Zeit widersteht kein Menschenwerk diesen Elementen. Walter spielt diese Zersetzungsprozesse nach, er beschleunigt die Zeit und lässt in rasender Geschwindigkeit seine selbst hergestellten Oberflächen „altern“, nicht um ihnen ihre Geheimnisse zu entreißen, sondern – im Gegenteil – um sie zu Trägern einer immensen Fülle an Geheimnissen aufzuladen.

Dr. Peter Laub
Kunsthistoriker und Fotograf
Salzburg
November 2008

Invitation

Introduction by Achim Weinberg

Achim Weinberg

Wolfgang Walter – Maria Seidenschwann
„Das Geheimnis der Oberfläche“
Stadttheater Fürth

Zur Eröffnung der Ausstellung „Das Geheimnis der Oberfläche“ möchte ich Sie ganz herzlich begrüßen.

Und ich möchte Sie beglückwünschen, dass Sie den Weg hierher unternommen haben, um diese Bilder im Original zu erleben. In Zeiten von Digitalisierung, Medienkonsum und Bilderflut mutet es ja schon beinahe anachronistisch an, sich an einen Ort zu bewegen, um handgemachte Bilder zu betrachten, ganz ohne Touchscreen, ohne App und Elektronik. Deshalb möchte ich Ihnen auch empfehlen: Handys erstmal in der Tasche lassen und schauen, genau hinschauen. – Aus meiner Sicht ist dieses „Vor-dem-Original-Erlebnis“ sehr wertvoll und unersetzlich.

Dem Galerist John Hammond ist hier eine großartige Ausstellung gelungen. Mit Maria Seidenschwann und Wolfgang Walter bringt er zwei Künstlerpositionen in einen spannenden Dialog, die vieles gemeinsam haben, und doch gleichzeitig sehr verschieden sind. 

„Das Geheimnis der Oberfläche“ ist der wunderbare Titel dieser Ausstellung. – Wollen wir das Geheimnis lüften? – Nein! Denn das Geheimnisvolle, nicht vollständig Erklärbare, liegt im Wesen guter Kunst. Aber wir können den Geheimnissen dieser beiden Künstler näher kommen, indem wir uns die Oberflächen ganz genau anschauen. Die Oberflächen der hier ausgestellten Werke besitzen eine enorme Tiefe, bei Seidenschwann wie bei Walter, jedoch mit sehr unterschiedlicher Gestaltung.

Die Betrachtung dieser Oberflächen berührt eines meiner Lieblingsthemen in der Malerei: die Fernsicht und die Nahsicht. Das klingt erst einmal relativ banal. Natürlich kann ich ein Bild von nah und von fern betrachten, doch gerade diese Künstlerin und dieser Künstler führen uns vor, wie groß das Spannungsfeld dieser beiden Wahrnehmungen ist. Komposition und Oberfläche, Mikro- und Makrokosmos.

Wolfgang Walter spricht hier von „Dynamischer Ruhe“. Im großen Ganzen strebt er eine ausgewogene Ruhe seiner Bildgestaltung an. In der Nahsicht hingegen offenbaren sich all die dynamischen Spuren seines lebhaften Arbeitsprozesses.

Ich möchte Sie deshalb einladen, ganz nah an die Bilder heranzutreten. Im Gegensatz zu den großen Museen, können Sie das hier tun, ohne gleich einen lautstarken Alarm auszulösen. Nutzen Sie also die Chance und lassen Sie Ihren Blick über die Oberflächen gleiten. Lassen Sie sich überraschen von all den Strukturen, Schichten und Überlagerungen. Von reliefartigen Erhöhungen, von Bergen und Tälern, Schluchten und Seen. Von Spuren, Kratzern, Verletzungen. Von überraschenden Farbwechseln. Und wechseln Sie dann wieder in die Fernsicht und genießen Sie die Komposition als Ganzes, den Farbklang, Ruhe und Dynamik.
Dieses Erlebnis ist etwas, das Ihnen keine Reproduktion und nicht der beste Monitor bieten kann. Dieses Phänomen erleben wir nur vor dem Original!

Um dem Geheimnis der Bilder auf die Spur zu kommen, können wir auch fragen, welchen Lebensweg diese Künstlerin und dieser Künstler hinter sich haben, bei wem sie wann und wo studiert haben. – Bringt uns das ihrer Kunst näher? – Ich denke ja, denn hier finden wir einige Antworten, warum diese Bilder so sind, und nicht anders.

Maria Seidenschwann ist eine leidenschaftlich Reisende. In den 1970er Jahren hat die Regensburgerin erst Druckgrafik, dann Lehramt Kunsterziehung in München studiert. Verschiedene Lehrtätigkeiten hat sie anfangs nebenberuflich ausgeübt, um sich später ganz ihrer freien Kunst zu widmen. Es waren vor allem die Stipendien und Studienaufenthalte die sie geprägt haben. Ab 1992 reiste sie nach Virginia (USA), nach Griechenland und Italien, St. Petersburg, Chile, Irland, Argentinien, Südkorea, Indien und Japan. Wie sie selbst sagt, sind die fernen Eindrücke ihre größte Inspirationsquelle. Dabei malt sie nicht vor Ort. Sie saugt all die Eindrücke, Motive und vor allem Farben wie ein Schwamm in sich auf, um sie dann im Atelier zu transformieren. „Jede Reiseerfahrung und Empfindung wirkt sich unmittelbar auf das Kolorit meiner Bilder aus“, so Seidenschwann.

Wolfgang Walter war bereits praktizierender Psychologe, Mitte 30, als er begann, Künstler zu werden. Die Malerei hat bei ihm das Aikido abgelöst. Denn bis dahin praktizierte er intensiv die defensive japanische Kampfkunst, er ist ein Meister darin. 
Psychologie – Aikido – Kunst, was für eine spannende Kombination. Doch zurück zu den Anfängen. Seine Initialzündung hatte Walter in den 1990er Jahren in einer Ausstellung der Klasse Neuper. Hier wurde Sand mit Holzleim auf Bilder geschichtet. Dieser Umgang mit Material faszinierte Walter, und so wurde Klaus Neuper zu seinem ersten Lehrer. Später folgte ein weiteres Studium bei Peter Tomschiczek in Bad Reichenhall. 
Das Arbeiten mit „Material“ ist für Walter damals wie heute entscheidend.

Material also. Wie verhält es sich mit Material in der Malerei? Maria Seidenschwann sagt: „Die Farbe einfach auf die Leinwand zu malen, liegt mir nicht.“ Und Wolfgang Walter? Er benutze kaum Pinsel. – Ist es dann überhaupt Malerei?

Schauen wir uns deshalb die Arbeitsprozesse von Seidenschwann und Walter an. Beide haben über Jahrzehnte ihre ganz eigene Technik entwickelt. Beide arbeiten ohne Skizzen und Entwürfe, das Bild entsteht im Prozess. Es mag vielleicht am Anfang eine Ahnung geben, ob auf der Leinwand nun ein ruhiges oder ein lebhaftes Bild entstehen soll, vielleicht existiert auch schon eine vage Farbvorstellung. Doch, ob es am Ende tatsächlich ein rotes Bild ist, wie anfangs gedacht, oder vielleicht ein weißes, das entwickelt sich in vielen Schritten. Es ist dies ein Prozess, der mit einem hohen Risiko verbunden ist – dem Risiko des Scheiterns. Dieses Risiko nehmen die beiden in Kauf, weil dieser Prozess gleichzeitig die große Chance in sich birgt, Neuland zu betreten, die Chance der Entwicklung.

Seidenschwann über ihre Arbeitsweise: „Struktur gibt der Farbe noch mehr Lebendigkeit.“ Die Künstlerin hat eine eigene Technik entwickelt, die der Batik ähnlich ist, dabei arbeitet sie mit Gummi Arabicum (arabisches Gummi), der ältesten bekannten Gummiart, die aus verschiedenen Baumsäften gewonnen wird. 
Die Farbe wird in Schichten aufgetragen. Manchmal, wenn die Künstlerin unzufrieden ist, kann es vorkommen, dass sie alles komplett mit weißer Farbe übermalt. Dabei lässt sie aber das Vorherige durchschimmern und holt nun darunterlegende Schichten durch Schaben, Kratzen oder den Einsatz von Terpentinlösung in Teilen wieder hervor. „Die Leinwand muss also viel aushalten“, sagt sie.

Die Schichten sind auch bei Wolfgang Walter entscheidend. „Die Oberfläche ist Fassade, die Schichten sind Geschichte“, so Walter. Denn in die Oberfläche ist alles eingeschrieben – sie hat alles gespeichert, alles was auf ihr passiert ist. Und die freigelegten Schichten offenbaren uns den Prozess, sie erzählen uns Geschichte.

Wolfgang Walter beschreibt seinen Arbeitsprozess so: Das Bild liegt auf dem Boden oder Tisch. Material wird aufgebracht. Hierbei kommen vor allem Marmormehl und Sumpfkalk zum Einsatz. Diese selbsthergestellte Spachtelmasse ist der erste Malprozess. Gültigkeit wird geschaffen, Halt wird gegeben. Die frühzeitigen Entscheidungen schaffen die Anlage des Bildes. Es folgt der Nassprozess: Das Aufbringen von Farbe durch Schüttungen und Sprühungen. In einem Wiege-Prozess wird die Fläche bewegt – die Steuerung des umkalkulierbaren Flusses. Es folgt der Trocknungsprozess. Die Spachtelmasse trocknet mit dem ersten Farbauftrag – Oberflächen reißen auf. Nun die Entscheidung: nochmals Material aufbringen oder eine erneute Schüttung. Dieser Vorgang wiederholt sich einige Male. Walter sagt, das Bild spreche mit ihm: Es brauche Licht, Halt, Überraschung. Zeichnung kommt hinzu, Kreide oder Ritzungen mit dem Spachtel. Die letzten fünf Prozent kosten sehr viel Zeit … und Wille. Bis zur Entspannung im Solarplexus (Walter fasst sich an das Brustbein). „Dann weiß ich, es ist gut.“ Der Prozess vollzieht sich über Wochen. Dann eine erneute Überprüfung.
An dieser Stelle eine Empfehlung: Sehen Sie sich den kurzen Film (ca. Eine Minute) auf Wolfgang Walters Webseite an! Der Künstler Christian Oberlander hat den eben beschriebenen Prozess ganz wunderbar in Nahsicht eingefangen. Was da zu sehen ist, sieht nicht wie ein Malprozess aus. Da fließt und staubt es, Strudel bilden sich. Hier hat man eher den Eindruck, dabei zu sein, wie gerade aus den Urelementen die Erde entsteht.

Und wie wir auch schon bei Seidenschwann gesehen haben, ist das Zerstören Teil des Schaffensprozesses. Dieser ist laut Walter eine körperliche Aktion, spontan, heftig, zügig. „Dabei übertölple ich den Geist durch irrationale Aktionen“, sagt er, „Ausschalten des konzeptionellen Kopfes. Es geht um Befreiung, ungebändigt, mutig – die Befreiung aus dem Gefängnis des Rechtecks“.

Beide Künstler stehen dem Informel nahe, einer Kunstrichtung, die ihren Ursprung im Paris der Nachkriegszeit hat. Informel bezeichnet „Formlosigkeit“, es geht um die Befreiung vom Gegenstand auf eine abstrakte, nicht-geometrische Weise. „Sobald etwas Gegenständliches im Bild auftaucht, wird es zerstört“, sagt Seidenschwann. Auf meine Frage nach ihren Vorbildern nennen sie mir Antoni Tapies (Walter) und Emil Schumacher (Seidenschwann), zwei der wichtigsten Vertreter des Informel.

Dazu fügt sich auch, dass beide weitgehend auf inhaltliche Titel verzichten. „Ohne Titel“, heißt es da meistens, oder es wird betitelt mit einer Ortsangabe wie „Chile“ bei Seidenschwann, oder einer technischen Beschreibung wie „Form mit Ritzungen“ bei Walter. Die Künstlerin verweist in diesem Zusammenhang auf eine Formulierung des Regensburger Kunsthistorikers Dr. Herbert Schneidler, der über ihre Kunst von einer „Demokratischen Sichtweise“ gesprochen hat. Für mein Verständnis geht es hierbei um die Freiheit der Betrachtung. Seidenschwann möchte nichts vorgeben, nicht beeinflussen, was hier gesehen oder nicht gesehen werden soll.
Nun könnte man sich fragen: „Wovon handeln diese Bilder dann? Haben sie ein Thema, oder ist das hier alles egal?! – Keineswegs, denn es gibt sehr wohl Bildinhalte, die eindeutig sind. Sehen Sie sich den Gestus und die Farben an. Man denke hier an Mark Rothko. Im Gegensatz zu den Konkreten Künstlern – die der Auffassung sind: Wenn sie ein Rot malen, dann ist es Rot, sonst nichts – nannte Rothko seine abstrakten Bilder Tragödien, und die Besucher haben in den Ausstellungen vor seinen Bildern geweint.
Es ist eine andere Sprache, die diese Bilder sprechen. Sie sagen nicht „Baum, Berg oder Kopf.“ Ihre Botschaft ist Bewegung und Energie, Ruhe und Balance. Sie wenden sich ganz unmittelbar an unsere Sinne, an unser Gemüt, ohne den Umweg über den Gegenstand. Man könnte auch sagen, sie sprechen direkt zu unserer Seele.

Die hier gezeigte Auswahl an Bildern von Wolfgang Walter ist in den letzten fünf Jahren entstanden. Seidenschwanns Arbeiten dieser Ausstellung umfassen hingegen einen viel größeren Zeitraum, manche reichen bis ins Jahr 1980 zurück.

Zurück zur Frage nach der „Malerei“! Welche Rolle spielt die Farbe in den Bildern?

Bei Seidenschwann haben wir es mit einer exzellenten Malerin zu tun, sie beherrscht die klassischen Kriterien der Malerei virtuos. Da werden pastellene Lasuren geschichtet, harte Kontraste neben feinste Abstufungen gesetzt. Flirrende Buntheit in manchen Bildern mutet impressionistisch an. Feinste Nuancen sind ein Genuss für das Auge. Und in mancher „lauten“ Arbeit, wo expressive rotorange Wischer in großzügigem Gestus aufgetragen sind, erleben wir Power pur. Und dann gibt es da diese Überraschung in der Nahsicht, wo Schichten wieder abgetragen wurden und es auf mich wirkt, als würde sich das Bild häuten.

Walters Kolorit hingegen ist eher reduziert. „Mehr als drei Farben findest du kaum“, ist eine Aussage hierzu. Da gibt es die Neigung zum Monochromen in einigen Werken, man denke an die starken roten Bilder. Intensive Farbwirkungen erzielt Walter auch durch frei aufgebrachtes Pigment. Generell ist die „Palette“ jedoch dominiert von Sand-, Grau- und Brauntönen. Durch seine Schüttungen entstehen feine Tönungen. Die Farbigkeit hat einen sehr natürlichen Charakter, assoziiert Sand und Erde. Im Zusammenspiel mit den reliefartigen Oberflächen – wir erinnern uns an das Marmormehl – entsteht der Eindruck von verwitterten Steintafeln. Man könnte meinen, die Bilder wären nicht von Menschenhand sondern durch Natureinwirkung entstanden. 
Seine spezielle Technik der aufgerissenen Oberfläche hat Walter zur Meisterschaft gebracht. Sie schafft oft starke Kontraste, zum Beispiel wenn unter einer weißen Oberfläche in den Rissen ein darunter liegendes Rot hervortritt. „Mit Material arbeiten erfordert Materialwissen“, so Walter. Eine technische Herausforderung war es, diese Oberflächen mit ihrer rauen Brüchigkeit, malerisch zu sichern.

Den Psychologen auf einen Zusammenhang von Psychologie und Malerei angesprochen, betont Walter: „Ich arbeite nichts auf. Ich will etwas schaffen, das in Resonanz zum Betrachter tritt. Der Ausdruck wird zum Eindruck.“ 
Diese Art von Malerei mache seine Persönlichkeit sichtbar, elementar, wild, anarchisch. … Es gehe um Kraft und Ruhe. Und abschließend sagt er: „Ich glaube, ich kann jemanden gut in die Ruhe bringen.“

Genießen Sie nun diese starken Bilder!