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Stadttheater Fürth, erbaut 1901/1902 von den Architekten Fellner und Helmer. © John Hammond

 

 

 

mal anders

Wolfgang Harms & Reinhard Schmid

 

Stadttheater Fürth

Königstraße 116, 90762 Fürth, Germany

 

21.01. - 13.03.2018

Vernissage: 21.01.2018

Artworks

Wolfgang Harms

Wolfgang Harms

ist 1950 in einem kleinen Dorf in Bayern, im Landkreis Dillingen a. d. Donau geboren. Mit 13 Jahren machte er erste Versuche, mit Ölfarben zu malen. Nach einer Malerlehre bei Malermeister Eugen Rieß in Donauwörth und einem Studium an der Fachhochschule absolvierte er ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg (Meisterschüler). Er war fünf Jahre Assistent des Akademiepräsidenten Prof. G. Voglsamer und ist seit 1978 freischaffender Künstler. Durch das Studium von Meisterwerken hat sich sein ganz persönlicher Stil entwickelt. Wolfgang Harms lebt und arbeitet in Nürnberg.

Artworks

Reinhard Schmid

Reinhard Schmid

ist 1960 in Weiden i. d. Opf. geboren. Er war von früher Jugend an von surrealistisch/ phantastischer Kunst fasziniert. Allerdings hatte er auch immer ein großes Interesse an Maschinen und Technik und fuhr mehrere Jahre auf einem U-Boot zur See, bevor er sich der Glasmalerei zuwandte. In seinen witzig-ironischen, oft erotisch angehauchten Bildern spielt er gerne mit verrückten Gestalten und ausgefallenen Vehikeln.

Press

©Fürther Nachrichten, 23.01.2018, SIGRUN ARENZ

 

Läuft was zwischen Mond und Isis?

Bahn frei für Ironiker: Wolfgang Harms und Reinhard Schmid im Stadttheater

 

Fränkisch-Oberpfälzer Doppelpass im Stadttheater: Mythologie und Ironie haben in der Kunst von Wolfgang Harms und Reinhard Schmid reichlich Platz.

Experten für Leichtigkeit: Wolfgang Harms (li.) und Reinhard Schmid mögen es „mal anders“. ©Foto: André Geare

 

 

 

 

 

Frau Luna hängt mit der ägyptischen Göttin Isis ab. Die ist gut zu erkennen, weil sie die typischen Attribute aufweist. Die Mondsichel hingegen, die in einer blauen Nacht aufgespannt ist, bleibt geheimnisvoll, ein Gesicht, das auch der Man im Mond sein könnte. Und wie ist das Verhältnis zwischen Isis und dem Mond, wenn man bedenkt, dass der von ihr wegblickt, hinaus ins Blaue?

 

„Mal anders“ ist der Titel der Ausstellung von Wolfgang Harms und Reinhard Schmid, mit der John Hammonds Art-Agency im Stadttheater ins Kalenderjahr startet. Der Titel bezieht sich auf die Arbeitsweise der beiden ebenso wie auf ihre Sujets. Der Oberpfälzer Schmid etwa hat die Kunst der Bleistiftzeichnung in Verbindung mit Aquarell hinter Glas perfektioniert, arbeitet aber auch mit Gicléedrucken, hält die künstlerische Arbeit am Computer für vollkommen legitim, auch wenn er niemals auf das Malen selbst verzichten würde.

 

Mal anders – zumindest in diesem Jahrhundert – ist aber auch die Themenwelt, derer sich die beiden Künstler bedienen. Schmid liebt das Surreale, das Phantastische, das Überraschende und Spielerische. Oft sind die Bilder erotisch angehaucht, nackte oder halbnackte Frauengestalten mit hohen Absätzen präsentieren sich schwebend räkelnd. Zeigt Schmid Frauen als bloßes Objekt der Begierde? Nicht unbedingt: Die „Erstbesteigung“ spielt mit Motiven aus dem Märchen „Rapunzel“, nur dass es hier eine Frau ist, die an einem Turm emporsteigt, den nicht nur Sigmund Freud als Phallussymbol deuten würde.

 

Voller Symbolik, Archetypen und Gestalten der Mythologie ist auch Wolfgang Harms‘ Werk. Der Mondvogel taucht immer wieder auf, ebenso wie ein Flöte spielender Pan, der etwa in einer Blüte seinem musikalischen Tagwerk nachgeht. Langschwänzige Vögel in heraldischen Farbe fliegen durch eine Fauna von barocker Fantastik, langgezogene Wolken winden sich wie lebende Wesen um die umliegenden Felsen. Immer wieder spielt Harms auch mit dem Motiv des Rahmens im Rahmen, wie um eine weitere Dimension zu schaffen.

 

Was beide Künstler verbindet, ist die Leichtigkeit, die ihre Bilder vermitteln. Jedes von ihnen bietet Möglichkeiten zur Interpretation, zu Vergleich mit den Vorbildern aus der Mythologie, mit vergangenen und gegenwärtigen Stilen der Malerei, zum Nachdenken über technische Virtuosität. Man kann sich ebenso gut einfach davorstellen und sich in die leuchtenden Farben eines ganz eigenen Infernos versinke lassen.

 

Der Rahmen verweist mit einem umlaufenden humoristischen Text auf Dantons Fegefeuer, die Flammen sind aber gleichzeitig die Blüten einer Kaktee, in deren Blättern Tautropfe wie Perlen aufgereiht sind. Das ist doppeldeutig, clever und hervorragend ausgeführt; vor allem aber ist es eine schöne Spielerei, die man als solche würdigen kann.

Invitation