ARCHIVE 1992
Artworks
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Nürnberger Nachrichten, 1992, BERND ZACHOW
Mit breiter Stil-Palette
Ausstellung der Klasse Knaupp an der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste im Fürther City-Center
Werner Knaupp (Mitte) mit Schülern seiner Nürnberger Akademieklasse in der Ausstellung. Foto: Kögler
Kunst-Studenten zwischen Tradition und Innovation, Einzelgänger in einer Zeit, die unter dem Zeichen des „everything goes“ steht, präsentieren sich noch bis zum 6. Juni im „Spielraum für Kunst“ im City-Center (Königstraße 112, Fürth). Die Klasse von Werner Knaupp an der Nürnberger Kunstakademie umfasst offenbar ein derart breites Spektrum von Stil-Ansätzen und Handschriften, das der leicht verwirrte Betrachter möglicherweise sogar versucht ist, das Fehlen eines prägenden „Vor-Bildes“ zu beklagen. Was sicher falsch wäre!
Glücklicherweise ist der Ausstellungsraum weitläufig und neutral. So ist wenigstens jedes Beispiel künstlerischer Suche einzeln zu prüfen. Die Wahl eines Lieblings-Objektes wird jedoch in jedem Fall nicht leicht sein. Je nach Geschmack und Temperament mag man sich von Gerhard Rießbecks neorealistischen Holzmaserungen vor grüner Woge oder von Markus Kronbergers neokonstruktivistischem – ebenfalls grasgrünen – Wandrelief beeindrucken lassen, mir persönlich wäre etwas weniger perfektes Nachahmen „klassischer Stile“ – und dafür mehr Experiment, jugendliche Frechheit, Aufruhr gar – lieber.
Ansätze dazu findet man ausgerechnet beim ausstudierten Assistenten des Professors, dem Maler und Objektmacher Anders Möhl. Dieser hat einen höhlenartigen Nebenraum mit Wandnische zur mehr als leicht blasphemischen Kapelle umgewandelt. Allerlei echte Marien-Devotionalien sind mit seltsamen Fundstücken (vom Knoblauchstrang bis zum Ventilator-Bruch) kombiniert. Das Ganze ist der Verehrung des Rollmopses gewidmet.
Beeindruckende Talente, die sich in der aktuellen Ausstellung reihenweise erahnen lassen, scheinen hingegen allzu frühzeitig festgelegt. Roger Libeschs große Ölbilder oder Birgit Ramsauers Pastelle bestechen zweifellos durch eine großartige Demonstration handwerklich-technischen Könnens, Susanne Rürups Installationen sind allemal lustig, fesseln werden sie aber kaum, eine Fortentwicklung (hin zu neuen Ufern) ist schwer vorzustellen.
Ausnahmen bilden Arbeiten, die noch sehr sichtbar von einem vorsichtig tastenden suchen geprägt sind, die – im guten Sinne – etwas von Schüler – und Newcomer-Arbeiten haben. Michael Schneiders perfekt gearbeitete Boden-Plastik mit Pendel ist hier zu nennen, aber auch Nadja Bleisteins vom Tantrismus beeinflußte Buch-Malerei, Helmut Lobenweins Zeichnungen zu Licht und Schatten der Jahrhundertwende, Viktoria Prells und Annegret Bleisteiners Kohle-Studien. Da ist – gottlob – noch alles offen.
Artist Profile
Werner Knaupp (1936 - 2025)
Werner Knaupp (3 May 1936, Nürnberg – 9 September 2025) was a distinguished German painter and sculptor whose prolific career spanned more than six decades. He studied painting at the Academy of Fine Arts in Nuremberg from 1957–1961 and 1963–1964, later serving as a guest lecturer at the Academy of Fine Arts in Karlsruhe in 1970–1971 before returning to Nuremberg as Professor of Painting from 1986 to 2001.
Knaupp’s work is noted for its depth, intensity and existential resonance, often drawing on his profound personal experiences — including work as a nurse in a psychiatric hospital, at Mother Teresa’s hospice in Kolkata, and in a crematorium — as well as his extensive travels to extreme landscapes such as deserts, volcanoes and polar regions.
He participated in documenta 6 (1977) and was a member of the Bavarian Academy of Fine Arts in Munich from 2004. His diverse oeuvre encompasses ballpoint and charcoal drawings, acrylic and pastel paintings, iron sculptures, ash works and photography, reflecting continuous stylistic evolution.
Knaupp’s works are held in major public and private collections worldwide, including the Neue Nationalgalerie Berlin, Museum Ludwig Cologne, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kunsthalle Hamburg, and the Museum of Modern Art (MoMA), New York.